Einordnung der Bertelsmann-Studie Was die Studie für die berufliche Bildung bedeutet

Die Studie zeigt, unter welchen Bedingungen junge Menschen Beteiligung als wirksam erleben. Für die berufliche Bildung stellt sich die Frage, wie diese Bedingungen strukturell in der dualen Ausbildung verankert werden können.

Eine junge Frau lernt gemeinsam mit einem jungen Kollegen auf einem Tablet

25. Februar 2026 25. Februar 2026


Die Studie der Bertelsmann Stiftung untersucht, wie junge Menschen politische Beteiligung erleben und welche Bedingungen Teilhabe stärken oder erschweren. Auch wenn sie nicht speziell auf die duale Ausbildung ausgerichtet ist, lassen sich zentrale Befunde auf die berufliche Bildung übertragen. Junge Menschen beteiligen sich vor allem dann, wenn ihnen echte Mitgestaltungsmöglichkeiten angeboten werden; wenn Verfahren transparent sind; wenn Entscheidungen nachvollziehbar erklärt werden; wenn sie erfahren, dass ihre Rückmeldungen Wirkung haben. Diese Faktoren sind unmittelbare Bausteine guter Ausbildung und berühren die Gestaltung von Ausbildungsplänen, Beurteilungssystemen, Versetzungsentscheidungen und Feedbackprozessen.
 
Die Studie macht deutlich, dass junge Menschen Beteiligung im Alltag oft als unverbindlich oder zufällig erleben. Beteiligung endet häufig dort, wo strukturelle Entscheidungen getroffen werden. Für die duale Ausbildung heißt das: Wenn Mitgestaltung allein vom Engagement einzelner Personen im Betrieb abhängt und nicht in Ausbildungsstrukturen verankert ist, entsteht kein verlässliches Beteiligungserleben. Berufsbildungspolitisch spricht dies dafür, demokratische Teilhabe als Qualitätskriterium in Ordnungsmittel und Programme zur Weiterentwicklung der Ausbildung aufzunehmen und Ausbildungsqualität an verbindlichen Standards auszurichten.
 
Ein weiterer zentraler Befund der Studie ist die Bedeutung transparenter Entscheidungsprozesse. Junge Menschen beteiligen sich eher, wenn nachvollziehbar ist, wie Regeln entstehen und warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden. Übertragen auf die Ausbildung betrifft dies den betrieblichen Ausbildungsplan, die Festlegung von Lerninhalten und Zeitabläufen sowie Kriterien für Bewertungen und Versetzungen. Transparenz ist damit nicht nur pädagogisch sinnvoll, sondern ein Element demokratischer Kultur im Betrieb. Sie setzt qualifiziertes Ausbildungspersonal voraus und ausreichende Zeitressourcen für die Begleitung von Lernprozessen.
 
Die Studie betont zudem, dass Beteiligung verlässliche Strukturen braucht. Junge Menschen benötigen klare Ansprechpersonen und Zugänge zu Entscheidungswegen. Für das Berufsbildungssystem bedeutet das: Die Rolle von Betriebsrat und Jugend- und Auszubildendenvertretung ist entscheidend, weil sie institutionalisierte Beteiligungswege schaffen. Werden diese Gremien gestärkt; werden Informationsrechte konsequent umgesetzt; wird die Zusammenarbeit mit der Ausbildungsleitung strukturiert gestaltet; dann können Auszubildende demokratische Verfahren als wirksam erleben.
 
Schließlich zeigt die Studie, dass demokratische Teilhabe keine freiwillige Zusatzaufgabe ist, sondern Bestandteil von Bildungssystemen insgesamt. Für die berufliche Bildungspolitik folgt daraus, Demokratielernen ausdrücklich als Ziel beruflicher Bildung zu verankern. Ausbildungsordnungen, Rahmenlehrpläne der Berufsschulen und Programme zur Qualitätsentwicklung können darauf ausgerichtet werden, Beteiligungserfahrungen systematisch zu ermöglichen. Die Studie liefert damit keine betriebspraktischen Handlungsanleitungen, aber eine wichtige analytische Grundlage. Sie zeigt, unter welchen Bedingungen junge Menschen Beteiligung als sinnvoll erleben und macht deutlich, welche strukturellen Voraussetzungen das Berufsbildungssystem schaffen muss, damit die duale Ausbildung ein Ort gelebter demokratischer Teilhabe wird.",
 

Studiengegenstand und Relevanz

Die Studie untersucht politische Beteiligung junger Menschen und beschreibt Faktoren, die Teilhabe erleichtern oder erschweren. Auch ohne direkten Bezug zur dualen Ausbildung sind die Ergebnisse relevant, weil Auszubildende am Übergang in das Arbeitsleben zentrale Erfahrungen mit Regeln, Verantwortung und Mitbestimmung machen.",
 

Anschluss an die duale Ausbildung

Die Studie unterstreicht die Bedeutung transparenter Entscheidungen, verlässlicher Strukturen und qualifizierter Begleitung. Diese Elemente entsprechen Grundanforderungen guter Ausbildung. Ausbildungspläne, Bewertungen, Feedbackverfahren und die Zusammenarbeit mit betrieblicher Mitbestimmung können so gestaltet werden, dass Auszubildende Beteiligung konkret erleben.",
 

Bedeutung für die berufliche Bildungspolitik

Die Befunde sprechen dafür, Demokratiekompetenz als Ziel beruflicher Bildung klar zu benennen und in Ordnungsmittel, Programme und Qualifizierungsstrukturen zu integrieren. Starke betriebliche Interessenvertretungen, gut qualifizierte Ausbilder:innen und klare rechtliche Rahmenbedingungen sind zentrale Voraussetzungen für demokratische Teilhabe in der dualen Ausbildung."