Immer mehr Kitas in Deutschland schließen früher, schränken ihre Öffnungszeiten ein oder müssen tageweise ganz zumachen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Hans Böckler Stiftung. Grund ist vor allem der massive Personalmangel. Für viele Eltern bedeutet das: Sie können Arbeit, Ausbildung oder Qualifizierung kaum noch planen.
Darin liegt ein ernstes Problem für gute Bildung und für gute Arbeit. Wenn Betreuung wegbricht, geraten Eltern in Stress. Besonders betroffen sind Mütter, die überdurchschnittlich oft ihre Arbeitszeiten reduzieren müssen, um Lücken in der Betreuung auszugleichen. Das verschärft Ungleichheit und nimmt vielen Familien finanziellen Spielraum.
In der politischen Debatte wird an dieser Stelle oft behauptet, Eltern sollten einfach mehr Stunden arbeiten und weniger Teilzeit nutzen. Doch diese Forderung geht an der Realität vorbei. Denn wer soll länger arbeiten, wenn die Kita um 15 Uhr schließt oder spontan einen ganzen Tag zumacht Für viele Familien ist das schlicht unmöglich.
Was wirklich fehlt, ist klar: mehr Kitaplätze, mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und verlässliche Ganztagsangebote in Schule und Hort. Eltern brauchen stabile Strukturen, damit sie arbeiten und sich weiterbilden können. Erst wenn Betreuung sicher ist, können Menschen in Betrieben und Bildungseinrichtungen die Flexibilität nutzen, die von ihnen erwartet wird.
Solange der Staat hier nicht liefert, bleibt die Last bei den Familien. Und das schwächt auch die Wirtschaft, denn Betriebe brauchen Fachkräfte. Ohne ausreichende Kinderbetreuung bleiben Potenziale ungenutzt.
HBS: 54% der erwerbstätigen Eltern mit Schließungen oder verkürzten Zeiten bei Kinderbetreuung konfrontiert
WSI: Genderforschung und Gleichstellung