Zwischen Hoffnung und harter Realität Prekäre Lebenslagen junger Vietnames:innen in der Ausbildung

Viele vietnamesische Azubis kommen mit großen Erwartungen – z.B. nach Berlin. Die Realität ist oft hart: hohe Vermittlungsgebühren, enge Wohnverhältnisse und Sprachbarrieren prägen ihren Alltag. Die Gewerkschaften fordern faire Bedingungen und mehr Schutz.

Sie wollen doch nur dein Bestes

21. Januar 2026 21. Januar 2026


Immer mehr junge Menschen aus Vietnam kommen für eine Ausbildung nach Deutschland. Allein in Berlin stieg die Zahl der vietnamesischen Azubis von 60 im Jahr 2013 auf über 1.600 im Jahr 2023. Die meisten arbeiten im Gastgewerbe oder im Pflegebereich. Doch die Realität ist oft hart.

Viele reisen über private Anwerbeagenturen ein. Diese verlangen Gebühren von 6.000 bis 15.000 Euro – für Sprachkurse, Visum und Vermittlung. Familien verschulden sich, um die Kosten zu tragen. Manche Agenturen behalten sogar Originaldokumente ein. Hinzu kommen überteuerte Mieten: Für ein Bett in einer überfüllten WG zahlen Azubis bis zu 400 Euro. Nur 29 Prozent haben ein eigenes Zimmer.

Auch im Betrieb gibt es Probleme. Überstunden sind im Gastgewerbe üblich, oft ohne Bezahlung. Die Ausbildungsvergütung reicht kaum zum Leben. Viele Azubis arbeiten zusätzlich in Minijobs, um Schulden abzubauen und ihre Familien zu unterstützen. Sprachbarrieren erschweren den Alltag in Berufsschule und Betrieb. Wer die Ausbildung abbricht, verliert meist den Aufenthaltstitel – und gerät in noch größere Unsicherheit.

Trotz aller Schwierigkeiten zeigen viele vietnamesische Azubis große Motivation. Betriebe loben ihre Zuverlässigkeit und ihren Einsatz. Doch ohne bessere Rahmenbedingungen bleibt die Ausbildung für viele ein riskantes Abenteuer.

Die ganze Studie von Minor gibt es hier: Prekäre Lebensrealitäten vietnamesischer Auszubildender

 

Zahlen und Fakten

  • 1.600 vietnamesische Azubis in Berlin (2023)
  • 57 % kommen über private Agenturen
  • Vermittlungsgebühren: 6.000 bis 15.000 Euro
  • 400 Euro für ein Bett in einer WG
  • Nur 29 % haben ein eigenes Zimmer