Vom Meister zum Master Seit seinem Master wehrt Dennis Cyberangriffe ab

An der Hochschule Darmstadt können Techniker:innen und Meister:innen auch ohne Bachelor direkt einen Masterabschluss erwerben. Dennis Schmeiss, ein junger Metaller, hat das getan – und auf diesem Weg sein großes Ziel erreicht.

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9. Januar 2026 9. Januar 2026


Eigentlich hätte es Dennis Schmeiss damit bewenden lassen können, damals vor sechs Jahren, als er nach drei Jahren Doppelbelastung durch 40 Wochenstunden Arbeit im Betrieb und parallel laufender Qualifizierung endlich am Ziel angekommen war. 

Im Dezember 2019 hielt Dennis seinen Technikerabschluss, auf den er so lange und so hart hingearbeitet hatte, in Händen: Er war nun >>staatlich geprüfter Elektrotechniker<<. Er arbeitete auf einer neuen Position in dem Unternehmen, in dem er 2012 mit einer Ausbildung zum Mechatroniker begonnen hatte. In einer Abteilung, die sich um Maschinensicherheit kümmert. Darum, dass das Arbeiten mit den großen Verpackungsmaschinen, die bei Optima nonwovens in Schwäbisch Hall entstehen, sicher ausgeführt werden kann. Die Optima beschäftigt weltweit rund 3400 Menschen, der größte Teil von ihnen arbeitet in Schwäbisch Hall: >>Es war genau das, was ich machen wollte<<, sagt Dennis. Aber am Ziel war er noch nicht. 

>>Ich habe gemerkt, dass ich noch weitergehen will, dass ich noch nicht am Ende meiner beruflichen Entwicklung bin.<< Wo er die sah, das wusste Dennis ziemlich genau. >>Ich wollte tiefer in die Softwareentwicklung und Maschinensicherheit einsteigen. Und ich wollte einen akademischen Abschluss in der Tasche haben. Das war mein Antrieb, meine Motivation.<< 

Was Dennis dagegen nicht wusste, war, wie er dorthin gelangen sollte. >>Ich habe lange recherchiert, Broschüren und Flyer angeschaut. Aber in 99 Prozent der Fälle musste man erst den Bachelor machen und dann den Master draufsetzen. Das war nichts für mich.<< Dennis war damals Mitte zwanzig, er konnte sich nicht vorstellen, noch mal sieben Jahre lang zu studieren, erst seinen Bachelor zu absolvieren, dann den Master draufzusetzen. >>Dann habe ich von der Möglichkeit erfahren, an der Hochschule Darmstadt auch ohne Bachelor studieren zu können<<, sagt Dennis. >>

Das Programm war perfekt zugeschnitten auf mich.<< Das Programm heißt >>Vom Techniker/Meister zum Master<<, die Hochschule Darmstadt bietet es qualifizierten Beschäftigten an. >>Staatlich geprüfte Techniker oder Meister können bei uns auch ohne ein Erststudium zum Masterstudiengang zugelassen werden<<, sagt Raphael Kurz, der Koordinator des Darmstädter Programms. >>Mit dem Masterabschluss erhalten die Studierenden den akademischen Mastergrad.<< Das Studium richtet sich dezidiert an berufserfahrene Techniker, an Beschäftigte aus den Bereichen Elektrotechnik, Mechatronik, Maschinenbau oder Prozessautomatisierung, die mindestens zwei Jahre lang in ihrem Betrieb auf der Position eines Technikers gearbeitet haben und jetzt einen akademischen Abschluss erreichen wollen. 

Unterstützung vom Arbeitgeber
Bislang konnte in Darmstadt der Studiengang Zuverlässigkeitsingenieurwesen sowie die Fachrichtung Elektrotechnik studiert werden. >>Der Studiengang Zuverlässigkeitsingenieurwesen läuft nun aus und wird zur Rückmeldung zum Wintersemester 2027/2028 in den Master Elektrotechnik als Schwerpunkt integriert<<, sagt Raphael Kurz. Interessierte könnten künftig auch im Master Elektrotechnik mit entsprechendem Schwerpunkt studieren. >>Die Voraussetzung, um als Techniker oder Meister bei uns in Darmstadt studieren zu können, ist das Bestehen einer Zulassungsprüfung.<< Zur Vorbereitung auf diese Prüfung bietet die Hochschule einen einsemestrigen Vorkurs an. 

Aufgrund der fehlenden Berufserfahrung konnte Dennis den zu Beginn noch nicht absolvieren. >>Als ich mich in Darmstadt für den Studiengang Zuverlässigkeitsingenieurwesen beworben hatte, hatte ich lediglich ein Jahr lang bei uns im Betrieb auf der Position eines Technikers gearbeitet.<< Um nicht länger warten zu müssen, schrieb sich Dennis im Frühjahr 2020 zwei Semester lang für Kurse in Zuverlässigkeitstechnik ein, für die er jeweils ein Zertifikat bekam, und die er danach, als er nach diesen zwei Semestern die Zulassungsprüfung absolviert und bestanden hatte, auf sein Studium anrechnen konnte. Das Studium selbst klingt in der Theorie sehr bündig. Der berufsbegleitende Masterstudiengang Elektrotechnik dauert sechs Semester, die Studiengebühren betragen 2300 Euro pro Semester. Das Studium ist als Fernstudium aufgebaut, begleitet werden die Studierenden durch Lehrbriefe und eine Onlineplattform. Pro Semester gibt es acht Präsenztage, die jeweils an einem Freitag und Samstag stattfinden. Studierende können Vertiefungsrichtungen wählen. Angeboten werden Spezialisierungen in Automatisierung, Mikroelektronik und Energietechnik. 

 

Lernen und Arbeiten gehen Hand in Hand 
Für Dennis gab es dennoch Fragen. Sie betrafen vor allem seinen Alltag, sie drehten sich darum, wie das gelingen kann: Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig ein Studium aufzunehmen. Zum Gelingen erheblich beigetragen habe, dass sein Arbeitgeber ihn auf seinem Weg unterstützt habe. Er übernahm einen Teil der Kosten und sein Vorgesetzter bestärkte Dennis und gab ihm Zuversicht. >>Und trotzdem ist es eine Doppelbelastung gewesen. Es war ein heftiges Pensum.<< 

Der Arbeitstag beginnt für Dennis während dieser Zeit für gewöhnlich morgens um sechs. Bis 15 Uhr ist er im Betrieb, danach geht es schnell nach Hause. >>Ich habe mich umgezogen, habe eine Kleinigkeit gegessen, bin einmal um den Block. Und dann ging es weiter.<< Dennis gräbt sich in seinen Lernstoff ein, nicht selten ganze Abende lang. Er knüpft Kontakte zu Mitstudierenden aus ganz Deutschland, er findet neue Freunde, tauscht sich mit ihnen aus, tritt Lerngruppen bei und baut welche auf. Er lernt mit ihnen in Kleingruppen und auf Onlineplattformen. Draußen wütet das Coronavirus. >>Die Zeit war intensiv, manchmal belastend, aber ich habe sie genossen.<< Im Frühjahr 2024 hat Dennis seinen Masterabschluss in der Tasche, alle Prüfungen bestanden. >>Die Inhalte haben mich brennend interessiert. Das Studium hat auf dem aufgebaut, woher ich komme. Und mich dahin geführt, wohin ich wollte.<< Zu Beginn seines Berufslebens, als Dennis in seinem Betrieb als Mechatroniker gearbeitet hat, war er für die Montage, später für die Inbetriebnahme der großen Verpackungsmaschinen verantwortlich. 

Mit den Jahren orientierte er sich immer tiefer in die Bereiche Softwareentwicklung und funktionale Sicherheit des Unternehmens. Er qualifiziert sich bis zum Softwareentwickler. >>Anfangs arbeitete ich nur im Bereich Maschinensicherheit<<, sagt Dennis. >>Mittlerweile sind einige zusätzliche Aufgabengebiete wie die OT-Security dazugekommen. Unter anderem arbeite ich seit meiner Masterarbeit intensiv an der Konzeption und Implementierung von Prozessen, wie etwa im Schwachstellenmanagement.<< 

OT-Security klingt rätselhaft. Im Kern geht es darum, Maschinen und Produktionsanlagen abzusichern, sie etwa vor Cyberangriffen und Manipulationen zu schützen. >>Ich mache unsere Maschinen nicht nur sicherer, sondern auch zuverlässiger und zukunftsfähiger<<, sagt Dennis. >>Ich bin glücklich, in dieser Position arbeiten zu können. Ohne das Studium wäre ich nicht dorthin gekommen.<<

Von Jan Chaberny | metall 5-2025

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Student sitzt an einem Tisch im Seminarraum und macht sich Notizen.

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