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Zukunft der Berufseinstiegsbegleitung

07.06.2019 Ι Das war knapp! Nachdem der Bund seine Ko-Finanzierung für die Berufseinstiegsbegleitung in Thüringen endgültig eingestellt hat, stand das gesamte Programm, dass hunderten junger Kolleginnen und Kollegen zugutekam auf der Kippe. Auf Initiative des Landesausschusses für Berufsbildung (LAB) wurde eine Lösung möglich.

Ein Interview mit Thomas Steinhäuser, Geschäftsführer der IG Metall Suhl-Sonneberg, Mitglied des IG Metall Bildungsausschusses und Vorsitzender des LAB in Thüringen.

 

Lieber Thomas, kannst Du uns kurz schildern, was sich bei Euch im Land angebahnt hat?

Steinhäuser: Gemäß § 49 Abs. 1 SGB III kann die Bundesagentur für Arbeit (BA) Berufseinstiegsbegleitung (kurz: BerEb) fördern, dass Jugendlichen in der Schule eine tolle Unterstützung bietet, um z.B. ihren Schulabschluss zu erreichen oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Unterstützungsmöglichkeiten reichen dabei bis in die ersten sechs Monate der Ausbildung hinein. Für die Jugendlichen und Ihre Familien ist dies kostenlos. Die maximale Förderhöhe der BA beträgt gemäß § 49 Abs. 1 SGB III 50 Prozent der Kosten. Bisher wurden die anderen 50 Prozent der Kosten durch den Bundeshaushalt aufgebracht. Diese Finanzierungshälfte läuft jetzt jedoch planmäßig aus. Daher forderten wir von der Landesregierung Thüringen, die Ko-Finanzierung für die Fortsetzung der BerEb sicher zu stellen.

 

Was bedeutet dies für das Förderprogramm und die Jugendlichen?

Steinhäuser: Die Finanzierung war nicht mehr gesichert. Etwa 1.000 Jugendliche pro Jahrgang, die potenziell von dem Programm individuell bis zu 48 Monate profitieren können, stehen dumm da. Und den Betrieben, die neue Fachkräfte Ausbilden möchten, geht eine wichtige Zielgruppe verloren.

Wir müssen uns hier keine Illusionen machen. Auch sozial engagierte Betriebe, wo der Betriebsrat auf die Auswahlverfahren der jungen Kolleginnen und Kollegen achtet, tun sich schwer, Jugendliche ohne Schulabschluss einzustellen. D.h., im Umkehrschluss für die Jugendlichen, ohne Hilfe des Förderprogramms ggf. keinen Schulabschluss und damit kaum Chancen auf eine gute Arbeit und ein gutes Leben.

 

Wie ist es Euch gelungen diesen Verlauf noch abzuwenden?

Steinhäuser: Das sich der Bund aus der Verantwortung stiehlt, konnten wir nicht verhindern aber wir haben sehr stark bildungspolitisch agiert, Allianzen geschmiedet und auf die Landespolitik eingewirkt. Der Landesausschuss für Berufsbildung war und ist hier ein entscheidendes Gremium. Er hat die Aufgabe die Landesregierung in allen Fragen der beruflichen Bildung zu beraten und er ist für uns ein Ort der politischen Gestaltung. Gemeinsam mit den Arbeitgebern haben wir eine Empfehlung an die Landesregierung verabschiedet, die sie auffordert, den Finanzierungsanteil des Bundes zu Gunsten unserer Jugend zu übernehmen. Dieser Empfehlung ist der Ministerpräsident vor wenigen Tagen gefolgt. Er hat uns darüber informiert, dass nach intensiven Gesprächen mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit die Weiterführung der Berufseinstiegsbegleitung in Thüringen durch den Freistaat sichergestellt wird.

 

Wir gratulieren zu diesem Erfolg. Gibt es noch etwas, was Du WAP-Lesern mitgeben möchtest?

Steinhäuser: Berufsbildung als Thema zu setzen lohnt sich, auch wenn es im Betrieb oder den Geschäftsstellen, bei all der Arbeit und den Herausforderungen nicht oben auf der Agenda stehen kann. "Mitbestimmung in der gesamten Berufsbildung" ist eine zentrale Satzungsaufgabe der IG Metall und das hat seinen Grund. Wir können tausenden jungen Kolleginnen und Kollegen ein eine gute Ausbildung und damit ein gutes Leben ermöglichen. Das Engagement von Gewerkschaftern findet insbesondere im Betrieben statt. Hier sind es unsere Ausbilder/innen, die Vertrauensleute und die Betriebsräte und JAVen die tolles leisten. Aber auch die politischen Gremien wie der LAB haben eine wichtige Funktion, wie wir hier sehen können.

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Links und Zusatzinformationen
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Einen Landesausschuss für Berufsbildung ist nach dem Berufsbildungsgesetz (§ 82, § 83) in jedem Bundesland vorgesehen. Er wirkt auf eine stetige Entwicklung der Qualität der beruflichen Bildung hin und richtet ein besonderes Augenmerk auf die Zusammenarbeit der einzelnen Lernorte und der Bildungsakteure. Seine Aufgabe ist es die Landesregierung in allen Fragen der beruflichen Bildung, zu beraten.

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In der Regel besetzt der für das Bundesland zuständige IG Metall Bezirk einen Sitz in dem entsprechenden Landesfachausschuss.

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