Schritt für Schritt zum Abschluss Teilqualifikationen

Teilqualifikationen sollen Menschen ohne Berufsabschluss eine echte Chance geben. Sie müssen aber sicherstellen, dass am Ende ein Berufsabschluss möglich ist. Die IG Metall setzt sich für klare Standards, gute Qualität und starke Mitbestimmung ein.

Puzzle

Teilqualifikationen (kurz: TQs) sind ein neues Format der beruflichen Bildung. Die Idee: Menschen über 25 Jahren und ohne verwertbaren Berufsabschluss sollen Schritt für Schritt berufliche Kompetenzen erwerben können, die zu einem vollwertigen Berufsabschluss führen. 

TQs sind standardisierte Lerneinheiten, die aus den Ausbildungsverordnungen abgeleitet werden. Jede Einheit bildet somit einen Teil eines anerkannten Ausbildungsberufs ab. Wer alle TQs erwirbt, hat damit eine vollständige Ausbildung durchlaufen – nur zeitlich flexibilisiert.

TQ Erklärvideo
Was Teilqualifikationen sind und welche Chancen sie für Geringqualifizierte und Unternehmen bieten, wird kurz und kompakt in dem Video erklärt.
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Betriebsratsvorsitzender der Continental AG, Korbach
Ein inspirierendes Beispiel aus der Praxis liefert die Continental AG, die zeigt, wie TQs erfolgreich in die Personalstrategie integriert werden können. 
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Für die IG Metall ist klar: TQs können ein wichtiges Instrument sein. Aber nur dann, wenn sie Menschen wirklich zum Berufsabschluss führen. Angebote, die nur auf einfache Tätigkeiten orientieren und unsere Kolleg:innen in prekären Lohnverhältnissen halten sind abzulehnen. In der Vergangenheit gab es viele TQs ohne Abschlussorientierung. Sie wurden von Kammern und Arbeitgebern vorangetrieben und häufig von der Bundesagentur gefördert - ohne verbindliche Regeln. Für die Teilnehmenden gab es kaum Anschlussperspektiven. Das darf sich nicht fortsetzen.

Darum setzt sich die IG Metall für klare Qualitätsmaßstäbe ein. TQs müssen auf den Ausbildungsberufen basieren. Sie müssen standardisiert sein und dürfen nicht nur kurzfristige betriebliche Interessen bedienen. Sie müssen Teilnehmenden ab 25 Jahren echte Chancen eröffnen. Jüngere gehören weiter in die reguläre Ausbildung. Jede TQ braucht klare Qualifikationsziele und eine verbindliche Feststellung der beruflichen Handlungsfähigkeit am Ende. Nur so lassen sich die erworbenen Kompetenzen auch adäquat auf dem Arbeitsmarkt verwerten.

Wichtig für die IG Metall ist auch der duale Charakter der TQs – also der betriebliche Lernanteil. Lernen im Betrieb klappt nur, wenn es verlässlich organisiert ist. Dazu gehören Freiräume, Lernbegleitung und qualifizierte Ansprechpersonen im Betrieb. Ohne diese Grundlagen besteht die Gefahr, dass TQs zur billigen Arbeitskraftnutzung werden. Digitale Lernformate können unterstützen, aber nicht die Praxis ersetzen.

Zielgruppe

Jede absolvierte TQ macht berufliche Kompetenzen sichtbar und verbessert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. So kann man Schritt für Schritt zum Abschluss gehen. TQs können auch helfen, wenn Beschäftigte sich im Strukturwandel neu orientieren müssen oder wenn Menschen, z.B. aus dem Ausland, Qualifikationen anpassen müssen. 

  • Erwachsene ab 25 Jahren, ohne verwertbaren Berufsabschluss

  • Beschäftigte im Strukturwandel mit Bedarf an neuen beruflichen Kompetenzen

  • Menschen, die einzelne berufliche Fähigkeiten sichtbar machen wollen

  • Fachkräfte (aus dem Ausland), die Qualifikationslücken aus Anerkennungsverfahren ausgleichen müssen

Ein stehender silberner Paragraph vor einer weißen Wand

Rechtlicher Rahmen

Der BIBB Hauptausschuss kann gemäß § 92 Absatz 1 Nummer 4 BBiG „Empfehlungen zur einheitlichen Anwendung dieses Gesetzes geben“
Empfehlung zur qualitätsgesicherten Gestaltung und Umsetzung von Teilqualifikationen
Abstimmung auf dem Gewerkschaftstag 2019

Gewerkschaftliche Position

„Im Grundsatz ist eine zusammenhängende Berufsausbildung anzustreben. Trotzdem bedarf es jedoch auch anderer Modelle. Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass die Berufsausbildung zur Berücksichtigung individueller Lebenslagen nicht zwingend zeitlich zusammenhängend stattfinden muss.“ Beschluss des Gewerkschaftstags 2023

Die neuen Regeln des BIBB schaffen erstmals einen verbindlichen Rahmen. Ein TQ-Berufsset umfasst alle TQs die in Summe einen Ausbildungsberuf bilden. Diese TQ-Berufesets werden i.d.R. gemeinsam von Sozialpartnern und Expert:innen entwickelt und vom BIBB geprüft (z.B. dass die Übergreifenden Ausbildungsinhalte wie Arbeits- und Tarifrecht in den einzelnen TQs vermittelt werden) und veröffentlicht. 

Nur ein TQ-Set pro Beruf gilt offiziell. Das schafft Orientierung und verhindert Wildwuchs. Genau dieses Verfahren hat die IG Metall gefordert und in den Verhandlungen durchgesetzt. Erste TQ-Berufesets wurden im Handwerk bereits auf Basis der Ausbildungsberufe Augenoptiker:in, Elektroniker/in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik  und Anlagenmechaniker:in für SHK mit Beteiligung der IG Metall entwickelt (Stand Feb. 2026). 

Ein Mann am Schreibtisch hinter einem Laptop im Gespräch mit einer gegenübersitzenden Frau.

Anbieter

Das Angebot entwickelt sich gerade erst. Erste Bildungsträger bieten bereits TQs in verschiedenen Berufen an. Häufig richten sie sich noch nach den Vorgaben der Agentur für Arbeit als wichtigstem Geldgeber - die neue BIBB-Empfehlung muss erst Wirkung entfalten. IHKs und HWKs legen i.d.R. die Standards fest, prüfen Kompetenzen und vergeben Zertifikate für den Weg zum Berufsabschluss. Agentur für Arbeit und Jobcenter beraten und helfen die passenden Partner zu finden.
Chance TQ
Zwei Frauen unterhalten sich im Betrieb

Umsetzung im Betrieb

Teilnehmende sollen älter als 25 Jahre sein. Jüngere werden auf eine Ausbildung mit passenden Förderungen vorbereitet. Der Anspruch auf einen Abschluss und eine Zertifizierung muss gesichert sein. Freistellung und Finanzierung sind zu klären. Auch die Lernbegleitung im Betrieb sowie die Benennung und Qualifizierung verantwortlicher Personen müssen geregelt werden.