Soziale Mobilität bedeutet, dass Menschen ihre soziale Lage verbessern können. Entscheidend ist dabei, ob jemand bessere Chancen hat als die eigene Elterngeneration. Soziale Mobilität ist deshalb ein wichtiger Maßstab für soziale Gerechtigkeit. Nur wenn Herkunft nicht über Lebenswege entscheidet, sind Aufstieg und Teilhabe für alle möglich.
Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie beeinflusst Berufswege, Einkommen und Lebenschancen, aber auch den wirtschaftlichen und sozialen Erfolg unserer Gesellschaft. Bildungspolitik ist deshalb immer auch Sozial- und Wirtschaftspolitik. Für Gewerkschaften ist sie seit jeher ein Kernanliegen. Ihr Ziel ist es, Kindern aus Arbeiterfamilien den Zugang zu Ausbildung, Weiterbildung und Studium zu erleichtern und echte Aufstiegschancen zu eröffnen.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass soziale Mobilität in Deutschland früher stärker ausgeprägt war. Vor allem für die Babyboomergeneration brachte das Wirtschaftswunder viele Aufstiegsmöglichkeiten. Vollbeschäftigung und Reformen im Bildungssystem, etwa das Berufsbildungsgesetz, haben dazu beigetragen. Heute ist dieser Aufwärtstrend deutlich abgeschwächt. Zwar erreichen immer mehr junge Menschen höhere Abschlüsse, doch führen sie seltener zu einem entsprechenden sozialen Aufstieg.
Die Gründe sind vielfältig. Hohe Mieten, steigende Lebenskosten und ungleiche Startbedingungen erschweren Bildungswege. Besonders Menschen ohne finanziell gut aufgestelltes Elternhaus stoßen auf große Hürden. Der sogenannte Bildungstrichter zeigt, dass Kinder aus Arbeiterfamilien deutlich seltener ein Studium aufnehmen und abschließen als Kinder aus Akademikerfamilien. Das führt langfristig zu Armut, Arbeitslosigkeit oder prekären Beschäftigungsverhältnissen.
Aus gewerkschaftlicher Sicht geht es darum, soziale Nachteile auszugleichen, für die einzelne nichts können. Das beginnt früh, im Kindergarten, setzt sich über Schule und Ausbildung fort und reicht bis zur Hochschule. Später geht es um faire Zugänge zum Arbeitsmarkt, gute Arbeitsbedingungen, tarifliche Bezahlung und Chancen auf Weiterbildung, auch für Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationsgeschichte.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Hans Böckler Stiftung. Sie wurde von den Gewerkschaften gegründet und verbindet Bildung und Mitbestimmung. Mit rund 3.000 Stipendien pro Jahr ist sie eines der größten Förderwerke in Deutschland. Besonders wichtig ist, wen sie fördert. Mehr als zwei Drittel der Stipendiat:innen kommen aus Arbeiterfamilien und viele haben eine Migrationsgeschichte. Gefördert werden Menschen, die sonst deutlich schlechtere Bildungschancen hätten.
Ein besonderes Anliegen ist der zweite Bildungsweg, also das Nachholen der Hochschulreife nach einer beruflichen Tätigkeit. In Einzelfällen unterstützt die Stiftung auch Studierende, die nach formalen Regeln keine Förderung erhalten, etwa aus sozialen oder biografischen Gründen. So leistet sie einen konkreten Beitrag zu mehr sozialer Mobilität und gesellschaftlicher Teilhabe.
Politische Vorhaben zur Stärkung sozialer Mobilität müssen sich an diesem Anspruch messen lassen. Zwar gibt es ambitionierte Ziele, etwa bei der BAföG Reform. Die bisherigen Ergebnisse bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Positiv ist die Anhebung der Elternfreibeträge, sie kann mehr jungen Menschen den Zugang zu Förderung eröffnen. Klar ist jedoch auch: Für echte soziale Mobilität braucht es langfristige Investitionen in Bildung, gute Arbeit und soziale Sicherheit.