Mitbestimmung und Handlungsmöglichkeiten Ausbildungsbedarfe erkennen

Um den Fachkräftenachwuchs durch eigene Ausbildungsanstrengungen zu sichern, muss der Prozess hin zur Ausbildung frühzeitig begonnen werden. Hier sollte sich der Betriebsrat aktiv einbringen.

Missing employees and worker shortage or labour shortages as as employers are looking for needed workers and workforce job vacancies concept on a puzzle background in a 3D illustration style.

Ausbildungsplanung braucht Weitsicht.

Von der Entscheidung auszubilden über den Auswahlprozess und die tatsächliche Ausbildungszeit vergehen meist fünf Jahre, erst dann stehen die ausgebildeten Fachkräfte uneingeschränkt zur Verfügung. Um den Ausbildungsbedarf zu bestimmen, sollte daher ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren betrachtet werden.

 

Bedarfsplanung als Betriebsrat einfordern

Auf Verlangen des Betriebsrats hat der Arbeitgeber nach § 96 Abs. 1 BetrVG den Berufsbildungsbedarf zu ermitteln. Dabei soll auch der Bedarf an betrieblicher Erstausbildung ermittelt werden.

Den Bedarf an dual ausgebildeten Fachkräften zu ermitteln ist oftmals schwierig, da Auftragslagen oder sich ändernde Geschäftsprozesse eine Rolle spielen.

Dennoch kann die folgende Formel und deren relevante Größen eine gute Orientierung bieten, um die Zahlen des Arbeitgebers zu prüfen und als Betriebsrat zu einer Einschätzung zu kommen.

 

Erläuterung der Berechnungsfaktoren

Folgende Faktoren fließen in die Berechnung des jährlichen Ausbildungsbedarfs ein:

  • Anzahl der Arbeitskräfte
    Gibt an, wie viele Mitarbeitende in fünf Jahren zur Umsetzung der Geschäftsstrategie benötigt werden. Hier kann die Anzahl der Beschäftigten für eine erste Berechnung verwendet werden. Sinnvoll ist es aber zwischen gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereichen unterschieden.

  • Fachkräftefaktor [%]
    Zeigt, welchen Anteil der zukünftigen Mitarbeitenden fachlich ausgebildet sein sollen. Liegt der Wert bei 0 %, besteht kein Einstellbedarf.

  • Fluktuationsquote [% pro Jahr]
    Berücksichtigt den jährlichen Personalabgang durch Renteneintritt, Kündigung, beruflichen Aufstieg etc.

  • Deckungsgrad [%]
    Gibt an, wie viel Prozent des Fachkräftebedarfs durch eigene Ausbildung gedeckt werden sollen. Angesichts der Angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt ist eine Deckung des Fachkräftebedarfs über externe Einstellungen eher schwierig.

  • Verbleibquote [%]
    Schätzt den Anteil der Auszubildenden, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Erfahrungswerte helfen hier, z. B. bei Abbrüchen oder Nichtbestehen der Prüfung. Leider sinkt die Verbleibqutoe auch in unseren Betrieben seit Jahren.

  • Übernahmequote [%]
    Zeigt, wie viele der erfolgreich Ausgebildeten nach Abschluss im Unternehmen bleiben möchten und übernommen werden können. Auch hier sind Erfahrungswerte hilfreich.

Ausbildungsbedarf berechnen

Fragenkatalog Ausbildungsbedarf.PDF

Fragenkatalog für die Diskussion mit dem Arbeitgeber über den Ausbildungsbedarf