Ein fast vergessener Bereich im Bildungsbericht Weiterbildung stärken! Lernchancen schaffen.

Der Bildungsbericht ist da. Wirklich neu ist er nicht mehr. Aber seine Befunde sind klar: Weiterbildung muss stärker gefördert werden. Grundbildung, digitale Kompetenzen, betriebliche Weiterbildung und bessere Lernchancen für alle sind zentrale Zukunftsaufgaben.

Ein junger Mann liest Zeitung und trinkt dabei Kaffee.


Wenn über Bildungspolitik gesprochen wird, stehen oft Kitas, Schulen und Hochschulen im Mittelpunkt. Der Nationale Bildungsbericht 2026 zeigt jedoch, dass auch die Weiterbildung vor großen Herausforderungen steht. Gerade in Zeiten von Digitalisierung, Transformation und Fachkräftemangel entscheidet sie darüber, ob Beschäftigte beruflich Schritt halten und neue Chancen nutzen können.

Ein zentrales Problem sind die weiterhin hohen Defizite bei den Grundkompetenzen vieler Erwachsener. Millionen Menschen haben Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Gleichzeitig verlassen immer noch zu viele junge Menschen die Schule ohne ausreichende Basiskompetenzen. Der Bildungsbericht macht deutlich, dass hier langfristige und verlässliche Unterstützungsstrukturen erforderlich sind. Sprachliche und grundlegende Bildung sind eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, berufliche Entwicklung und erfolgreiche Weiterbildung.

Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass Weiterbildung soziale Ungleichheiten zwar ausgleichen kann, diese aber häufig selbst reproduziert. Wer gut qualifiziert ist, nimmt deutlich häufiger an Weiterbildung teil. Wer über geringe Qualifikationen verfügt oder in Betrieben mit schwacher Weiterbildungskultur arbeitet, bleibt dagegen oft außen vor.

Besonders kritisch bewerten die Autor:innen die Weiterbildungssituation älterer Beschäftigter. Viele Menschen ab 45 Jahren haben über lange Zeiträume keine Weiterbildung mehr besucht. Mit zunehmendem Alter wächst die Gefahr einer dauerhaften Weiterbildungsabstinenz. Das ist problematisch, denn gerade angesichts des technologischen Wandels müssen Beschäftigte über das gesamte Erwerbsleben hinweg die Möglichkeit haben, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln. Auch beim digitalen Lernen bestehen erhebliche Unterschiede. Zwar nutzen immer mehr Menschen digitale Lernangebote. Wer jedoch über geringe Bildungsabschlüsse verfügt, nimmt deutlich seltener an solchen Angeboten teil. Digitale Kompetenzen werden damit selbst zu einer neuen sozialen Frage. Der Bildungsbericht plädiert deshalb für eine stärkere Förderung digitaler Weiterbildung und den Ausbau entsprechender Lerninfrastrukturen.

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Der Bildungsbericht 2026 liegt seit einigen Wochen vor. Der große Neuigkeitseffekt ist vorbei. Trotzdem lohnt sich der Blick. Denn die Befunde sind deutlich. Ggerade für die berufliche Bildung.


Duale Ausbildung verliert weiter an Boden

Die Lage im dualen System bleibt angespannt. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist in den letzten Jahren weiter gesunken. Gleichzeitig ging auch das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen zurück. 

Der Einstieg in Ausbildung ist vielerorts schwieriger geworden. Auf 100 Bewerber:innen kommen aktuell weniger als 100 Ausbildungsplätze. Gleichzeitig bleiben Stellen unbesetzt. Das passt nicht zusammen. Der Bericht spricht von anhaltenden Passungsproblemen zwischen Angebot und Nachfrage. 

Die Folge: Viele landen nicht direkt in Ausbildung, sondern im Übergangsbereich. Dessen Bedeutung wächst wieder.

Mehr Abbrüche und ungleiche Chancen

Auch innerhalb der Ausbildung zeigen sich Probleme. Die Zahl der vorzeitigen Vertragslösungen ist auf einen Höchststand gestiegen. Besonders betroffen sind junge Menschen mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss sowie Jugendliche ohne deutsche Staatsangehörigkeit. 

Das macht deutlich, dass der Zugang zur Ausbildung selektiv ist. Schulabschlüsse entscheiden weiterhin über Chancen im System. Das bestätigt auch der Gesamtbefund des Bildungsberichts. Bildungswege hängen in Deutschland immer noch stark von der sozialen Herkunft ab.

Weniger Abschlüsse, mehr Risiken für Fachkräfte

Ein weiterer kritischer Punkt: Die Zahl der Ausbildungsabsolvent:innen ist deutlich gesunken. Im dualen System sogar um fast ein Viertel seit 2012. 

Das ist ein Problem für Jugendliche und für die Betriebe. Denn Fachkräfte fehlen schon heute. Gleichzeitig verschiebt sich der Zulauf hin zum schulischen Berufssystem. Vor allem zu sozial und gesundheitlichen Berufen.

Übergänge bleiben die größte Baustelle

Gerade der Schritt von der Schule in Ausbildung entscheidet darüber, wie der Berufsweg weitergeht. Hier kumulieren Probleme! Fehlende Abschlüsse, unklare Orientierung, zu wenige passende Angebote. 

Der Bericht zeigt auch, dass viele junge Menschen sich umorientieren, Wege wechseln oder abbrechen. Bildungsbiografien werden vielfältiger aber auch unsicherer.

Weiterbildung bleibt ungleich verteilt

Auch nach der Ausbildung gibt es Unterschiede. Betriebe investieren weniger in Weiterbildung als früher. Vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten profitieren selten davon. 

Das ist ein Problem in Zeiten von Transformation. Denn neue Anforderungen entstehen überall aber nicht alle haben die gleichen Chancen, mitzuhalten.

Die IG Metall setzt sich ein für ...

  • ein Recht auf Weiterbildung

  • mehr Qualifizierung in der Transformation

  • bessere Beratung und Unterstützung in den Betrieben

  • ein Initiativrecht für Betriebsräte

  • die Stärkung der öffentlichen Förderung

Ein Beschäftigter in einer Werkshalle hält Metallrohre in den Händen

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