Ausbildung findet an vielen Lernorten statt: am Arbeitsplatz, in der Berufsschule, in Lehrgängen, in der Ausbildungswerkstatt, manchmal auch im Homeoffice. Die Ausbildungsordnung gibt vor, welche Kompetenzen Auszubildende erwerben sollen. Doch wie daraus ein betrieblicher Ausbildungsplan wird, der zur konkreten Arbeitsrealität passt, ist für viele Ausbilder:innen eine Herausforderung. Das Online-Seminar BB-Virtuell am 23. Juni 2026 nahm genau diese Frage in den Blick.
Ausbildung systematisch planen: Von der Ausbildungsordnung zum betrieblichen Ausbildungsplan
Wie wird aus einer Ausbildungsordnung ein konkreter Ausbildungsplan? Im BB Virtuell am 23. Juni 2026 zeigten Barbara Burger und Nicolas Schrode von der GAB München, wie geschäftsprozessorientierte Planung funktioniert und welche Instrumente die Ausbildungsqualität sichern.
Ausbildung findet an vielen Lernorten statt: am Arbeitsplatz, in der Berufsschule, in Lehrgängen, in der Ausbildungswerkstatt, manchmal auch im Homeoffice. Die Ausbildungsordnung gibt vor, welche Kompetenzen Auszubildende erwerben sollen. Doch wie daraus ein betrieblicher Ausbildungsplan wird, der zur konkreten Arbeitsrealität passt, ist für viele Ausbilder eine Herausforderung. Das Online-Seminar BB Virtuell am 23. Juni 2026 nahm genau diese Frage in den Blick.
Sieben Schritte zur geschäftsprozessorientierten Planung
Barbara Burger, Wirtschaftspädagogin bei der GAB München, stellte einen strukturierten Planungsansatz in sieben Schritten vor. Am Anfang steht die Frage, welche Geschäftsprozesse die Ausgebildeten am Ende beherrschen sollen. Daraus folgt die Analyse: Welcher Lerngehalt steckt in den einzelnen Arbeitsprozessen? Anschließend werden Dauer und Abfolge festgelegt, begleitende Lernangebote wie Workshops eingeplant und zukunftsrelevante Prozesse berücksichtigt. Im sechsten Schritt erfolgt der Abgleich mit dem Ausbildungsrahmenplan als Deckungsanalyse. Erst danach entsteht der fertige betriebliche Ausbildungsplan.
Der Ansatz dreht die verbreitete Praxis um: Statt Inhalte der Ausbildungsordnung mechanisch auf Abteilungen zu verteilen, werden zuerst die realen Arbeitsprozesse als Lernfeld erschlossen. Das klingt schlüssig, stößt in der Praxis aber auf bekannte Hürden. Nicht alle Auszubildenden können dieselbe Reihenfolge durchlaufen. Manche Vorgaben der Ausbildungsordnung lassen sich im Betrieb nicht vollständig abbilden. Und betriebliche Besonderheiten, die in der Ausbildung abgebildet werden sollen, konkurrieren mit knapper Zeit.
Die Referent nannten drei konkrete Ansätze: Auszubildende können sich durch Erkundungsaufgaben selbstständig orientieren und ihren Standort in der Ausbildungsordnung verorten. Wenn Inhalte intern nicht abgedeckt werden können, helfen Ausbildungsverbünde und Kooperationen mit außerbetrieblichen Bildungsanbietern. Und wo die Zeit nicht für Vollständigkeit reicht, rückt exemplarisches Lernen mit bewusster Auswahl nach Relevanz in den Vordergrund, verbunden mit der Förderung von Selbstlernkompetenz.
Von der Planung zur Qualitätsentwicklung
Gute Planung allein reicht nicht, wenn die Umsetzung nicht systematisch begleitet wird. Nicolas Schrode, Soziologe und Geprüfter Berufspädagoge bei der GAB München, stellte das Graswurzel-QES-Verfahren vor, das Qualitätsentwicklung auf der operativen Ebene ansiedelt. Es besteht aus drei Bausteinen: Ein gemeinsam erarbeitetes Qualitätsleitbild schafft ein geteiltes Verständnis davon, was gute Ausbildung im jeweiligen Betrieb bedeutet. Die dialogische Steuerung strukturiert die Begleitung von Lernprozessen im Arbeitsalltag, von der Aufgabenklärung bis zur Auswertung. Und regelmäßige Qualitätszirkel sorgen dafür, dass Auszubildende, Ausbilder und Führungskräfte die Ausbildungsqualität gemeinsam reflektieren und konkrete Verbesserungen vereinbaren. Informationen zum Verfahren finden sich unter graswurzel-qes.de.
Kompetenzentwicklung sichtbar machen
Ergänzend ging es um die Frage, wie Kompetenzentwicklung während der Ausbildung erfasst werden kann. Neben klassischen Prüfungen und betrieblichen Beurteilungssystemen stellten die Referenten die Kompetenzfeststellung als Weiterentwicklung vor. Der Unterschied: Auszubildende schätzen ihre eigene Entwicklung ein, alle Lernerträge werden berücksichtigt, und Selbst- und Fremdeinschätzung werden systematisch zusammengeführt. Im Austausch unter den Teilnehmenden zeigte sich, dass gerade regelmäßiges Feedback und die Förderung von Selbstreflexion in vielen Betrieben noch ausbaufähig sind.
Wie wichtig diese Fragen sind, zeigt auch eine aktuelle (zeitnah online erscheinende) Voruntersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung zum betrieblichen Bildungspersonal. Sie macht deutlich, dass die Anforderungen an pädagogische Kompetenzen steigen, unter anderem durch heterogenere Zielgruppen, digitale Transformation und veränderte Arbeitsorganisation. Zugleich wird die AEVO zwar als wichtige formale Voraussetzung gesehen, aber vielfach nicht als ausreichend, um komplexe Lernprozesse im Betrieb professionell zu gestalten. Besonders deutlich wird der Qualifizierungsbedarf dort, wo es um die Gestaltung von Lernprozessen sowie die Begleitung und Unterstützung von Lernenden geht.
Weiterbildung für betriebliches Bildungspersonal
Wer die Themen Ausbildungsplanung, Qualitätssicherung und Kompetenzfeststellung vertiefen und sich in der Gestaltung und Begleitung von Lernprozessen fit machen will, findet im Bildungssystem für betriebliches Bildungspersonal einen strukturierten Weg: vom Ada-Schein über die Fortbildung Geprüfte/r Aus- und Weiterbildungspädagoge/-in bis zum/zur Geprüften Berufspädagogen/-in. Hinter den sperrigen Namen steckt echte Wirkung für Unternehmen: Teilnehmende werden zu Fach- und Führungskräften für das Lernen im Betrieb. Ein beruflicher Abschluss zwischen dem Ada-Schein und dem/der Gepr. Aus- und Weiterbildungspädagogen/-in ist aktuell in Vorbereitung. Die GAB München bietet die Fortbildungen, die sie selbst mitentwickelt hat, berufsbegleitend und modular an. Der nächstmögliche Start ist im September 2026 in München oder online im Fernstudium. Wer sich speziell zu den Themen dieses Beitrags weiterbilden will, für den ist das Modul „Planungsprozesse in der beruflichen Bildung", genau das richtige. Informationen, Anmeldung und Beratung gibt es unter https://www.gab-muenchen.de/seminare/