Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für junge Menschen eine wichtige Phase. Sie müssen eigene Interessen und Fähigkeiten mit den Anforderungen der Arbeitswelt abgleichen. Dafür gibt es viele Angebote zur Berufsorientierung. Doch junge Menschen können deren Qualität und Nutzen kaum selbst beurteilen. Aus gewerkschaftlicher Sicht sollen hier Jugendberufsagenturen beraten, unterstützen sowie einen verlässlichen und übersichtlichen Rahmen für den gesamten Übergang schaffen.
Das Freiwillige Handwerksjahr (kurz: FHJ) ist in dem Feld der Berufsorientierung ein neues Angebot der Handwerkskammern - z.B. bei der Handwerkskammer Lübeck. Es richtet sich an junge Menschen, die sich für das Handwerk interessieren, aber noch nicht wissen, welcher Beruf zu ihnen passt. Je nach Modell dauert das Angebot bis zu zwölf Monate. In dieser Zeit absolvieren die Teilnehmenden mehrere Praktika in unterschiedlichen Handwerksbetrieben. Häufig kommen Workshops und Seminare hinzu. Die Teilnehmenden erhalten in der Regel ein "Taschengeld" von 450 Euro brutto. Vergleichbare Angebote gibt es inzwischen auch in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die konkrete Ausgestaltung kann sich von Region zu Region unterscheiden.
Gute Orientierung brauchen verbindliche Regeln
Betriebliche Praktika heflen jungen Menschen Berufe kennenzulernen und eine fundierte Entscheidung zu treffen. Voraussetzung ist, dass sie gut geplant und begleitet werden.
Dazu gehören klare Standards für die Auswahl der Betriebe, eine verlässliche Betreuung und eine angemessene Bezahlung. Die Teilnehmenden dürfen nicht als günstige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Im Mittelpunkt muss ihre Orientierung stehen.
Auch die öffentliche Finanzierung ist kritisch zu prüfen. Wenn Steuermittel eingesetzt werden, muss das Angebot jungen Menschen einen nachweisbaren Nutzen bringen. Zudem sollte die Berufsorientierung nicht einseitig auf das Handwerk begrenzt sein. Jugendliche brauchen die Möglichkeit, unterschiedliche Berufe und Wirtschaftsbereiche kennenzulernen.
Berufsorientierung ist kein Freiwilligendienst
Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag Modellprojekte des Freiwilligen Handwerksjahres mit einem Freiwilligendienst im Bevölkerungsschutz verbinden. Der DGB lehnt diese Verbindung ab.
Ein soziales oder ökologisches Freiwilligenjahr dient dem gemeinwohlorientierten Engagement. Das Freiwillige Handwerksjahr verfolgt dagegen in erster Linie das Ziel der Berufsorientierung und der Fachkräftesicherung. Beide Aufgaben sollten deshalb klar voneinander getrennt bleiben.