Viele Entscheidungen im Berufsbildungsausschuss fallen nicht erst am Sitzungstag. Wer Einfluss nehmen will, muss frühzeitig mit der Vorbereitung beginnen. Deshalb empfiehlt es sich, die Sitzungstermine für das gesamte Jahr im Voraus zu planen und rechtzeitig über die Tagesordnung zu sprechen. Die Vorsitzenden und die Kammer sollten sich bereits mehrere Wochen vor der Sitzung abstimmen.
Für die Arbeitnehmerbank lohnt es sich außerdem, eigene Themen frühzeitig zu sammeln. So können wichtige Fragen der Ausbildungsqualität, der Fachkräftesicherung oder der Prüfungen rechtzeitig auf die Tagesordnung gesetzt werden. Auch die Abstimmung mit den Gewerkschaften vor Ort hilft dabei, aktuelle Probleme aus den Betrieben aufzugreifen.
Vor jeder Sitzung sollte sich die Arbeitnehmerbank zu einer Vorbesprechung treffen. Dort können Positionen abgestimmt, Argumente entwickelt und Zuständigkeiten verteilt werden. Wer übernimmt welchen Redebeitrag? Welche Fragen sollen gestellt werden? Wo gibt es möglichen Konfliktstoff?
Hilfreich ist außerdem der Austausch mit der Arbeitgeberseite außerhalb der eigentlichen Sitzung. Gerade bei schwierigen Themen kann es sinnvoll sein, vorab auszuloten, welche Kompromisse möglich sind und wo die jeweiligen Grenzen liegen.
Eigene Themen setzen
Der Berufsbildungsausschuss soll nicht nur auf Vorlagen der Kammer reagieren. Arbeitnehmervertreter:innen können selbst Themen einbringen und Diskussionen anstoßen. Dazu gehören beispielsweise:
- die Qualität der Ausbildung,
- Berichte der Ausbildungsberater:innen,
- die Situation auf dem Ausbildungsmarkt,
- Prüfungswesen und Prüfungsausschüsse,
- duale Studienangebote oder
- digitale Entwicklungen in der Ausbildung.
Entscheidend ist, die Perspektive der Beschäftigten und Auszubildenden einzubringen. Die zentrale Frage lautet dabei immer: Verbessert eine Entscheidung die Ausbildungsbedingungen oder entstehen Nachteile für Auszubildende und Beschäftigte?
Erfolgreich zwischen Kooperation und Konflikt
Der DGB beschreibt in seiner Handlungshilfe für die Arbeit im Berufsbildungsausschuss die Strategie "Boxing and Dancing". Gemeint ist ein kluger Wechsel zwischen Zusammenarbeit und klarer Interessenvertretung. Wer jede Vorlage ablehnt, verliert an Einfluss. Wer jedem Vorschlag zustimmt, verschenkt Gestaltungsmöglichkeiten. Entscheidend ist, situationsgerecht zu handeln und die eigenen Ziele im Blick zu behalten. Grundlage dafür sind gute Kenntnisse des Berufsbildungsgesetzes, der Geschäftsordnung und der Mitwirkungsrechte des Ausschusses.
Nicht jede Auseinandersetzung lässt sich jedoch sofort lösen. Wenn Konflikte eskalieren, empfiehlt sich zunächst eine Sitzungsunterbrechung zu beantragen. So erhält man Zeit für Beratung und Strategieabstimmung. Auch eine Vertagung kann sinnvoll sein, wenn weitere Informationen benötigt werden oder sich die Situation festgefahren hat.
Erst als letztes Mittel kommt ein geschlossener Auszug der Arbeitnehmerbank aus der Sitzung in Betracht. Dadurch kann die Beschlussfähigkeit entfallen. Dieser Schritt sollte jedoch nur in Ausnahmefällen genutzt werden, wenn grundlegende Interessen der Beschäftigten betroffen sind.