Albert war Vizepräsident, Gründungsdekan und Hochschullehrer der Dualen Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH). Zuvor war der Betriebswirtschaftler und gelernte Industriekaufmann als Führungskraft für internationale Wirtschaftskonzerne wie das Energieunternehmen E.ON und den Automobilzulieferer Continental tätig. Der 65-jährige gebürtige Niedersachse wohnt mit seiner Frau in der Nähe von Celle. In seiner Freizeit genießt er es, mit dem Trekkingrad durch die Lüneburger Heide zu fahren, Biografien von historischen Persönlichkeiten zu lesen oder sich mit Freund:innen aus ganz Deutschland zu treffen.
Als Experte für Personalmanagement habe ich jahrzehntelang in großen DAX-Unternehmen gearbeitet. Fünfzehn Jahre lang war ich beim Automobilzulieferer Continental für verschiedene HR-Bereiche zuständig, auch international. Beim Energiekonzern E.ON war ich unter anderem Personalchef für Deutschland. Gleichzeitig war ich gut mit Gewerkschaften und Betriebsräten vernetzt und bin Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE).
Vor diesem Hintergrund wurde ich 2009 vom Stiftungsrat der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur (ZEvA) in das Akkreditierungsgremium berufen wurde. Seitdem habe ich mich als Gutachter mit der ganzen Bandbreite an Disziplinen beschäftigt – von der Medizin über das Ingenieurwesen bis zur Betriebswirtschaftslehre.
Mein besonderes Interesse gilt dabei den dualen Studiengängen, einem stark wachsenden Bereich, der bei Studierenden sehr beliebt ist. Schon während meiner Tätigkeit in der Wirtschaft war ich unter anderem für die Betreuung dualer Studierender zuständig – und für den Kontakt mit den Hochschulen, die sie ausbildeten. Ich war bis Ende Dezember 2023 selbst als Hochschullehrer tätig und arbeite weiterhin als Lehrbeauftragter an Hochschulen, so dass ich auch diese Perspektive kenne. Bei den dualen Studiengängen sehe ich große Probleme und erheblichen Handlungsbedarf, vor allem was die Verzahnung von akademischer und beruflicher Ausbildung angeht. Der Akkreditierungsrat diskutiert dieses Thema kritisch und viele Hochschulen haben sich bereits auf den Weg gemacht, um die Vernetzung mit den Betrieben voranzutreiben. Aber es gibt auch Hochschulen, die diese Notwendigkeit – vorsichtig formuliert – noch nicht erkannt haben.
Die Gutachtertätigkeit bietet mir eine Möglichkeit, mich in Diskussionen zu solchen Themen einzubringen: Sie sind beispielsweise Gegenstand der Begehungen an den Hochschulen, wo wir als Gutachterteams mit den Professor:innen darüber sprechen: Wie stellt die Hochschule sicher, dass die Inhalte auch in der Praxis vermittelt werden? Als Gutachter:innen haben wir unterschiedliche, teilweise vorbildliche, Umsetzungen an den unterschiedlichsten Hochschulen kennengelernt. Das hilft uns dabei, Empfehlungen zur Umsetzung von Verbesserungen zu formulieren. Hochschulen sollten zum Beispiel die Ausbildungsordnungen ihrer Studierenden kennen, um die Curricula darauf abstimmen zu können. Sie sollten Kontakt zu den Personal- oder Ausbildungsverantwortlichen in den Unternehmen haben, um die Ausbildungspläne mit dem Aufbau der Lehrveranstaltungen verknüpfen zu können. Und wenn sie etwa ein Seminar zum Thema Personalauswahl planen, sollten sie klären, ob der Betrieb zum Beispiel seine angehenden Bank- oder Industriekaufleute passend dazu an einem Auswahlprozess in der Personalabteilung teilnehmen lassen kann. Das funktioniert nur, wenn sich Ausbildungsverantwortliche und Hochschulen gut abstimmen. Doch diese Zusammenarbeit gestaltet sich nicht immer konfliktfrei. Ich profitiere hier von meinen Erfahrungen als Bildungsexperte im Personalbereich. Denn hier ging es immer auch darum, Konflikte zu lösen – auf der kleinen Ebene zwischen Mitarbeiter:innen und auf der großen Ebene zwischen Parteien wie Arbeitgebern und Betriebsräten.
Eine bessere Verknüpfung von Theorie und Praxis mit einer entsprechenden Qualitätssicherung halte ich übrigens nicht nur in den dualen Studiengängen für wichtig. In diesem Zusammenhang sehe ich die zunehmende Mikrozerlegung von Bachelorstudiengängen sehr kritisch. Einige Studienprogramme sind auf so ein absurd kleinteilig geschnittenes Spezialwissen fokussiert, dass sie aus meiner Sicht nicht mehr den Ansprüchen eines Studiums gerecht werden können. Wenn zum Beispiel ein Studiengang zum Thema Facility Management sich nur auf einen bestimmten Industrie- oder Handelsbereich konzentriert oder wenn ein technischer Studiengang sich nur mit ausgewählten Prozessen befasst, finde ich das problematisch. Sinnvoller wäre es meines Erachtens, den Handlungsbereich zu Beginn breiter zu fassen und im Laufe des Studiums Spezialisierungen zu erlauben. Denn die Absolvent:innen sollten in der Lage sein, Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren, um passende Lösungen dafür zu finden. Natürlich gibt es auch Expert:innen, die sich für solche frühen Spezialisierungen einsetzen, weil die Absolvent:innen schneller in einem bestimmten Beruf eingesetzt werden können. Es macht mir Spaß, solche Aspekte kontrovers zu diskutieren.
Einen weiteren Fokus lege ich auf internationale Akkreditierungen: Als deutsche Gutachter:innen sehen wir uns auch Bildungsgänge im Ausland an – mit dem Ziel, die Qualitätsstandards grenzübergreifend zu vereinheitlichen. Eine duale Berufsausbildung, wie wir sie kennen, gibt es zum Beispiel in vielen anderen Ländern nicht.
Ich war oft in China, wo die jungen Menschen in riesigen Colleges ausgebildet werden. Diesen Institutionen gelingt es häufig noch nicht so gut, das Wissen in die Praxis zu transferieren, weil es keinen guten Kontakt zu den Betrieben gibt. Ich habe mit chinesischen Bildungsmanager:innen und Parteifunktionär:innen darüber diskutiert, wie sich dort ein duales Berufsbildungssystem etablieren lässt. Mit dem Botschafter von Ecuador habe ich über den Aufbau einer Facharbeiterausbildung gesprochen und über die Frage, wie sie sich in seinem Land zur Förderung einer Mittelschicht realisieren lässt. Über das Netzwerk der Gutachter:innen aus der beruflichen Praxis kommen jetzt immer mal wieder Anfragen aus Ländern wie Jordanien oder Malaysia, für die ich mich sehr interessiere.
Es macht mir großen Spaß, mit unterschiedlichen Menschen über Bildungssysteme ins Gespräch zu kommen. Und ich finde es spannend, dabei neue Sichtweisen kennenzulernen. In China zum Beispiel haben die Mitarbeiter:innen eine größere Loyalität zu ihrem Vorgesetzten als zu ihrem Unternehmen. Wenn dort eine Führungskraft kündigt, nimmt sie also häufig die ganze Abteilung mit. Das wäre in Deutschland undenkbar. Solche kulturellen Aspekte müssen Personalverantwortliche bei ihren Entscheidungen natürlich berücksichtigen – und auch diejenigen, die zukünftige HR-Expert:innen ausbilden.
Bei den Akkreditierungen sitzen in den Gutachterteams ganz unterschiedliche Menschen und es macht Spaß, sich mit ihnen auszutauschen. Seit eineinhalb Jahren engagiere ich mich jetzt auch im Netzwerk der Gutachter:innen aus der beruflichen Praxis. Ich unterstütze dort zum Beispiel bei der Erstellung von Strategiepapieren. Besonders viel Freude macht es mir, mich mit den Mitgliedern zu vernetzen, denn sie kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen – von Hochschulen, aus Betriebsräten und aus Gewerkschaften. Diesen Austausch sollte das Netzwerk weiter fördern, auch um sich in bestimmten Bereichen auf gemeinsame Positionen zu einigen.