An den deutschen Hochschulen gibt es nach wie vor Professor:innen, die nur ihr eigenes Fach im Blick haben. Curricula, die sich auf die Vermittlung von Fachwissen beschränken. Und Studiengänge, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert haben. Der Blick von außen kann dazu beitragen, dass sich das ändert und Lehrveranstaltungen die (Kompetenz-)Ziele vermitteln, die sich ein Studiengang gesetzt hat.
Die Mitglieder des gewerkschaftlichen Gutachter:innen-Netzwerks sind in diesem Prozess wichtige Berater:innen. Denn sie haben das große Ganze im Blick, schauen gerne über den Tellerrand und stehen ständig im Austausch mit Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen. Sie setzen sich innerhalb ihrer Gutachterteams hartnäckig dafür ein, Veränderungen voranzutreiben, um an den Hochschulen Fortschritt zu ermöglichen. Denn sie wollen sich nicht mit dem Status Quo zufriedengeben, sondern den Herausforderungen unserer Zeit mit innovativen Lösungen begegnen.
Der Elektro- und Informationstechniker 28-jährige Daniel Renneberg zum Beispiel geht als Gutachter in Akkreditierungsverfahren gerne in das Gespräch mit den Studierenden. So hat er bei einer Begutachtung erfahren, dass viele der jungen Frauen und Männer einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen möchten, in der Praxis aber oft im Nachhinein viel Stoff nacharbeiten müssen, weil ihnen Leistungen anderer Hochschulen nicht anerkannt werden. Im Gespräch mit dem Gutachterteam setzte er sich daraufhin dafür ein, den Studiengang zur Umsetzung der Lissabonner Konvention zu verpflichten, die die Internationalisierung der Hochschulen vorantreiben soll.
Die 55-Jährige Sandra Monja Scherer dagegen setzte bei ihrer ersten Akkreditierung vor allem auf ihre eigenen Erfahrungen, weil es bei der Erstbegutachtung eines Studiengangs noch keine Studierenden gab, mit denen sie hätte sprechen könnten. Die Vorsitzende des Merck Euroforum hatte gerade neben ihrer Vollzeittätigkeit ein berufsbegleitendes Masterstudium an einem fünfhundert Kilometer entfernten Studienort mit den Bedürfnissen ihrer fünfköpfigen Familie unter einen Hut gebracht und konnte deshalb einschätzen, wie die Anforderungen eines solchen Programms gestaltet sein müssen, um auch für Studierende mit besonderen Anforderungen erfüllbar zu sein. „Wichtig ist mir bei der Begutachtung eines berufsbegleitenden MBAs zum Beispiel, ob es eine Präsenzpflicht gibt und ob diese überzeugend begründet wird“, erzählt sie.