Er hat nach seiner Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei Porsche an einer Fernhochschule seinen Bachelor gemacht, arbeitet jetzt als Entwicklungsingenieur bei dem Fahrzeughersteller, unterstützt hier unter anderem die Suche nach jungen Talenten und begutachtet seit sechs Jahren schwerpunktmäßig ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. Der 28-Jährige lebt mit seiner Frau im baden-württembergischen Kieselbronn und reist in seiner Freizeit gerne mit dem Rucksack durch die Welt.
Warum engagierst du dich als Gutachter in Akkreditierungsverfahren?
Es macht einfach Spaß, denn man lernt viele neue Leute kennen. Als ich selbst noch Student war, interessierte mich zum Beispiel die Sichtweise der Professor:innen. Heute als Vertreter aus der Berufspraxis finde ich es spannend, mit Studierenden zu sprechen: Wie studiert es sich an unterschiedlichen Universitäten und Hochschulen? Was läuft gut? Was läuft schlecht?
Ich genieße es auch, mit der Wissenschaft in Kontakt zu bleiben. Anhand der Curricula sehe ich, welche Themen gerade aktuell sind. Mit einigen dieser Inhalte habe ich mich selbst im Studium noch nicht beschäftigt. Für meine Arbeit ist es wichtig, auf dem neuesten Stand zu bleiben und eine Vorstellung davon zu bekommen, was die Zukunft bringt. Was wird von Praktikanten und Absolventen im Betrieb erwartet? Welche neuen Methoden und Forschungsergebnisse bringen die Studierenden mit in die Unternehmen?
Außerdem finde ich es toll, als Gutachter in der Akkreditierung einen Einfluss darauf zu haben, in welche Richtung sich meine Disziplin weiterentwickelt. Ich denke, alle Seiten lernen von dem Austausch.
Was sind das zum Beispiel für Dinge, die Studierende an ihren Hochschulen verändern wollen?
In einem Verfahren ging es unter anderem um Mobilitätsfenster: Die Studierenden wollten gerne ins Ausland gehen, aber das Curriculum bot dafür keinen Zeitslot und auch keine Möglichkeit, Module zu verschieben. Auch die Anerkennung von Leistungen an anderen Hochschulen wurde nicht gelebt, obwohl es mit der Lissabonner Konvention ja eine Rechtsordnung gibt, um die Internationalisierung der Hochschulen voranzutreiben. Wer über den Tellerrand schauen wollte, musste im Nachhinein also viel Stoff nacharbeiten. Die Hochschule selbst hatte das Thema in ihrem Selbstbericht nicht erwähnt und äußerte sich erst auf Nachfrage von uns dazu. Das Beispiel hat mir deutlich gezeigt, wie oberflächlich schriftliche Darstellungen bleiben können und dass sie persönliche Gespräche nicht ersetzen.
Anderes Beispiel: Viele Mechatronik-Studierende möchten sich gerne spezialisieren und auch die Professor:innen haben ein Interesse daran, ihr jeweiliges Spezialgebiet zu vertiefen. Trotzdem bot die begutachtete Hochschule selbst auf dem Masterniveau nur recht starre Studiengänge an, die sich auf die Grundlagenfächer konzentrieren. Als Gutachterteam setzen wir uns also dafür ein, Wahlmöglichkeiten zu entwickeln, beispielsweise in den Bereichen Künstliche Intelligenz oder Machine Learning.
Du hast dich schon als Student entschieden, dich als Gutachter zu engagieren. Warum?
Als Studierendenvertreter einer Fernhochschule wurde ich angefragt, mich als Gesprächspartner für eine Akkreditierung an unserer Hochschule zu beteiligen. So kam ich in Kontakt zu dem studentischen Vertreter der Gutachtergruppe. Ich bekam das Angebot, an einem zweitägigen Grundlagenseminar des studentischen Akkreditierungspools, einem Gutachter:innen-Netzwerk für Studierende, teilzunehmen. Die Schulung und die Gutachtertätigkeit haben mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin.
Spannend waren für mich zum Beispiel die Unterschiede zwischen einer Präsenz- und einer Fernhochschule. Mir wurde klar, dass regelmäßige Präsenzveranstaltungen auch Vorteile mit sich bringen: Hier kann man ein richtiges Gruppenfeeling aufbauen und anders netzwerken als zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen oder Discord-Teams, die ich als Studierendenvertreter an der Fernhochschule ebenfalls vorangetrieben habe. Ich wollte mich dafür einsetzen, diese Erkenntnis für die Entwicklung meiner eigenen Hochschule zu nutzen. Zu der Zeit entstand ein Programm, das Betriebsbesichtigungen und andere Netzwerkveranstaltungen beinhaltet.
Inzwischen bist Du zum Gewerkschaftlichen Gutachter:innen-Netzwerk gekommen. Wie hast du bisher davon profitiert?
Die Arbeit im Gutachter:innen-Netzwerk ist für mich eine tolle Chance, mich gewerkschaftlich zu engagieren. Davon profitieren die heutigen Studierenden, die später meine Kolleginnen und Kollegen sein werden.
Im vergangenen Jahr hast du an der Plenumstagung des Netzwerks teilgenommen. Was hat dir das gebracht?
Besonders spannend waren für mich die Best Practice-Beispiele, die dort vorgestellt wurden. Wie können Hochschulen zum Beispiel Bewerber:innen aus der Berufspraxis unterstützen, die ein Studium aufnehmen möchten, aber kein Abitur haben? Was können sie für Studierende tun, die Studienleistungen aus dem nicht-europäischen Ausland anrechnen lassen möchten? Wie können sie Menschen, die in ihrer Heimat andere Lernmethoden kennengelernt haben, zu einem gleichwertigen Abschluss bringen?
Außerdem haben Professor:innen über Projekte berichtet, die auch für meine berufliche Praxis hilfreichen Input bieten. Ein Hochschullehrer besucht mit seinen Studierenden zum Beispiel Betriebe, die dann ihre aktuellen Projekte vorstellen und die Studierenden dazu anregen, Verbesserungsideen dazu zu entwickeln. In einigen Firmen haben die Studierenden anschließend teilweise sogar die Möglichkeit, ihre Ergebnisse einer Führungskraft oder dem Vorstand zu präsentieren. Die Kontakte, die dadurch entstehen, sind ein Gewinn für beide Seiten.