Die jährlich erscheinende arbeitgeberfinanzierte Studie „Azubi-Recruiting Trends“ der u-form Testsysteme liefert ein zuverlässiges Stimmungsbild zur beruflichen Ausbildung. Die aktuelle Ausgabe 2025 basiert auf einer doppelperspektivischen Befragung von über 5.400 jungen Menschen sowie 1.600 Ausbildungsverantwortlichen. Sie liefert belastbare Hinweise darauf, wie dringend politische und betriebliche Akteure die Qualität der Ausbildung verbessern müssen, um junge Menschen zu erreichen und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.
Die Ergebnisse der Studie stützen zentrale Forderungen der IG Metall:
Faire Ausbildungsvergütung und gute Arbeitsbedingungen sind wichtige Entscheidungsfaktoren.
Als Gründe gegen eine Ausbildung nennen junge Menschen an vorderer Stelle finanzielle Unsicherheit, die als nicht verhältnismäßig empfundene Ausbildungsvergütung sowie fehlende Aufstiegsperspektiven. 42 Prozent der Befragten mit mehreren Ausbildungsangeboten treffen ihre Entscheidung auf Grundlage von Gehalt und Zukunftsaussichten. Die IG Metall fordert daher seit Langem ein Einkommen zum Auskommen sowie eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen in allen Berufen und die Stärkung der Tarifbindung.
Ausbildungsabbrüche bleiben ein strukturelles Problem.
Laut der Befragung berichten 55 Prozent der Betriebe von Ausbildungsabbrüchen. Die Hälfte der Abbrüche erfolgt nach der Probezeit. Die Ursachen liegen laut Azubis u. a. in schlechter Betreuung, fehlender Praxisnähe, Überforderung und einem Mangel an Wertschätzung. Die IG Metall setzt sich deshalb für individuelle Ausbildungspläne, regelmäßiges Feedback, mehr Qualifizierungsangebote für das betriebliche Ausbildungspersonal und eine Mitbestimmte Ausbildungsqualität ein.
Berufsorientierung muss frühzeitig, systematisch und betriebsnah erfolgen.
Schüler*innen berichten von Überforderung, fehlender Einordnung ihrer Interessen und unzureichender Vorbereitung durch Schule und Eltern. 73 Prozent der Jugendlichen wünschen sich reale Einblicke durch Schnuppertage statt medialer Berufsbilder. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Praktika, Jugendberufsagenturen und betrieblicher Mitwirkung in der Berufsorientierung – Aufgaben, die auch betriebliche Interessenvertretungen aktiv mitgestalten können.
Bewerbungsprozesse müssen diskriminierungsfrei, transparent und niedrigschwellig gestaltet sein.
Über ein Drittel der Jugendlichen berichtet von negativen Erfahrungen im Bewerbungsprozess, darunter lange Wartezeiten, Ghosting, überzogene Erwartungen und Diskriminierung. Azubis kritisieren „Klick-Hürden“, intransparente Anforderungen und fehlende Rückmeldungen. Die IG Metall fordert einfache, barrierearme Bewerbungsverfahren sowie diskriminierungsfreie Auswahlkriterien.
Ausbildung muss Teil einer verlässlichen sozialen Aufstiegsperspektive sein.
Nur wenn junge Menschen überzeugt sind, dass sich eine Ausbildung langfristig lohnt – materiell, ideell und sozial – entscheiden sie sich dafür. Das zeigen nicht zuletzt die Rückmeldungen von Azubis, die ihre Ausbildung weiterempfehlen: Sie nennen Kollegialität, Wertschätzung, Übernahmechancen und gute Lernbedingungen als entscheidende Faktoren.
Für betriebliche Interessenvertretungen bieten die Studienergebnisse eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, um Qualität und Attraktivität der Ausbildung im Betrieb systematisch zu verbessern. Insbesondere in Jugend- und Auszubildendenvertretungen sowie für die Bildungsausschüsse der Betriebsräte lassen sich daraus Argumente für eine umfassende Ausbildungsstrategie entwickeln – von der Berufsorientierung über den Auswahlprozess bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss.