Arbeitsmarkt und Qualifizierung Fachkräftesicherung in der Transformation bleibt zentrale Aufgabe

Trotz Stellenabbaus in einzelnen Branchen bleibt der Fachkräftemangel langfristig bestehen. Demografischer Wandel, Transformation und neue Qualifikationsanforderungen erhöhen den Bedarf an Weiterbildung, Qualifizierung und aktiver Arbeitsmarktgestaltung.

Das Bild zeigt eine Gruppe von sechs Personen in Arbeitskleidung, die in einer Reihe vor einer wandfüllenden technischen Illustration stehen. Die Kleidung umfasst verschiedene Overalls und Arbeitsjacken in Blau, Grau, Schwarz und Rot; eine Person trägt zudem einen gelben Schutzhelm, eine andere hält ein Bündel Kabel, eine weitere einen großen Schraubenschlüssel. Die Personen stehen frontal zur Kamera, leicht gestaffelt, und wirken als gemeinsames Team. Ihre Kleidung weist auf unterschiedliche Tätigkeitsbereiche innerhalb eines technischen oder handwerklichen Umfelds hin, ohne dass konkrete Rollen eindeutig erkennbar sind.<br/><br/><br/>Der Hintergrund besteht aus einer grafischen Montage mit einem stilisierten humanoiden KI‑Kopfprofil, abstrahierten Netzwerkstrukturen, Verbindungslinien und technischen Diagrammen. Ergänzt wird dies durch Datenvisualisierungen wie Balken‑ und Liniendiagrammen, die einen Bezug zu Digitalisierung, Automatisierung und technologischer Entwicklung herstellen. Die Darstellung ist in kühlen Blau‑ und Grautönen gehalten und vermittelt einen futuristischen, technikorientierten Eindruck. Die Beleuchtung im Vordergrund ist gleichmäßig und neutral, wodurch die Personen klar erkennbar sind, während der Hintergrund bewusst illustrativ und flächig gestaltet bleibt.<br/>Optional interpretiert könnte das Bild ein Team symbolisieren, das im Kontext moderner Industrie, technischer Innovation oder digital unterstützter Arbeitsprozesse zusammenarbeitet. Die Kombination aus realen Personen und grafischen Elementen deutet auf Schnittstellen zwischen menschlicher Arbeit und technologischen Systemen hin.

3. September 2026 3. September 2026


Der öffentliche Diskurs wird derzeit häufig von Meldungen über Stellenabbau in Teilen der Industrie bestimmt. Gleichzeitig weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass Fachkräfteengpässe auch in den kommenden Jahren eine zentrale Herausforderung bleiben werden. Forschende des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung gehen davon aus, dass in zahlreichen Berufsgruppen die Besetzung offener Stellen künftig deutlich schwieriger wird. In 14 von 37 Berufsgruppen könnte eine Stellenbesetzung im Jahr 2040 mehr als 90 Tage dauern. Gut jeder dritte Arbeitsplatz wäre damit von einer erschwerten Fachkräftesituation betroffen. Besonders betroffen sind das Gesundheitswesen, das Sozialwesen sowie die Bauwirtschaft. 
 
Ein wesentlicher Grund dafür ist die demografische Entwicklung. Mit dem Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben sinkt die Zahl der Erwerbspersonen. Selbst dann, wenn einzelne Branchen Beschäftigung abbauen, können Fachkräfteengpässe entstehen, weil weniger Menschen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Nach den Prognosen könnten im Jahr 2040 rund 900.000 Erwerbstätige weniger aktiv sein als noch 2023, sofern Erwerbsbeteiligung und Zuwanderung nicht deutlich steigen
 

Transformation verändert die Anforderungen an Beschäftigte

Neben der demografischen Entwicklung wirken verschiedene Transformationsprozesse auf den Arbeitsmarkt ein. Klimaschutz, Energiewende, Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändern Tätigkeiten, Qualifikationsanforderungen und Beschäftigungsstrukturen. Während in einzelnen Bereichen Arbeitsplätze wegfallen können, entstehen gleichzeitig neue Tätigkeitsfelder und Qualifizierungsbedarfe. Auch globale wirtschaftliche Veränderungen und geopolitische Entwicklungen beeinflussen die Nachfrage nach Fachkräften.
 
 
Für die berufliche Bildung bedeutet dies, dass einmal erworbene Qualifikationen zunehmend durch kontinuierliche Weiterbildung ergänzt werden müssen. Beschäftigte benötigen Möglichkeiten zur Anpassungsqualifizierung, zur Spezialisierung oder für den Wechsel in andere Berufsfelder. Die Gestaltung solcher Übergänge wird zu einer zentralen Aufgabe von Unternehmen, Sozialpartnern und Bildungseinrichtungen.

Weiterbildung gewinnt weiter an Bedeutung

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Die Analyse zeigt deutlich, dass Weiterbildung und berufliche Flexibilität künftig entscheidende Faktoren für die Fachkräftesicherung sind. Beschäftigte müssen die Möglichkeit erhalten, auf veränderte Anforderungen zu reagieren und neue Kompetenzen zu erwerben. Dies gilt insbesondere für Branchen, die von technologischen und ökologischen Veränderungen betroffen sind.
Auch Gewerkschaften und Betriebsräte können hierbei eine wichtige Rolle übernehmen. Sie können Qualifizierungsbedarfe frühzeitig aufgreifen, betriebliche Weiterbildungsstrategien unterstützen und Beschäftigte bei beruflichen Entwicklungswegen begleiten. Damit wird Qualifizierung zu einem wichtigen Instrument für Beschäftigungssicherung und Fachkräftesicherung zugleich.

Erwerbspotenziale besser nutzen

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Neben der Qualifizierung sehen die Untersuchungen weitere Möglichkeiten zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Dazu gehören eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zusätzliche Betreuungsangebote sowie die stärkere Einbindung älterer Beschäftigter. Darüber hinaus bleibt qualifizierte Zuwanderung ein wichtiger Baustein zur Deckung des Fachkräftebedarfs.
Gerade für die berufliche Bildung ergeben sich daraus neue Anforderungen. Betriebe müssen Weiterbildungsangebote stärker an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen und Qualifizierungsmöglichkeiten für verschiedene Zielgruppen eröffnen. Dazu zählen beispielsweise Beschäftigte in Teilzeit, ältere Arbeitnehmer:innen oder neu eingewanderte Fachkräfte.

Fachkräftemangel führt nicht automatisch zu höheren Löhnen

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Interessant ist auch der Befund zum Zusammenhang zwischen Fachkräftemangel und Entgeltentwicklung. Die Auswertungen zeigen, dass Engpässe auf dem Arbeitsmarkt nicht automatisch zu höheren Löhnen führen. Lediglich in einzelnen Bereichen wie den Gesundheits und Pflegeberufen wurden überdurchschnittliche Entgeltsteigerungen festgestellt. Diese Entwicklungen sind jedoch nicht allein auf Marktmechanismen zurückzuführen, sondern auch auf politische Entscheidungen, tarifliche Regelungen und gewerkschaftliches Engagement. 
 
Für Betriebsräte und Beschäftigtenvertretungen unterstreicht dies die Bedeutung von Mitbestimmung und Tarifpolitik. Verbesserte Arbeitsbedingungen und attraktive Entwicklungsmöglichkeiten können einen wichtigen Beitrag leisten, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten.

Fazit

 

Die vorliegenden Analysen machen deutlich, dass Fachkräftesicherung weit über die Frage der Personalgewinnung hinausgeht. Entscheidend werden Investitionen in Aus und Weiterbildung, gute Arbeitsbedingungen sowie eine aktive Gestaltung der Transformation sein. Für Betriebsräte, Ausbilder:innen und Gewerkschaften ergibt sich daraus die Aufgabe, Qualifizierung als zentrales Zukunftsthema frühzeitig in die betriebliche Praxis zu integrieren.
 
Link zur Hans-Böckler-Stiftung