Viele Studierende kennen das Problem: Klausuren, Hausarbeiten, Referate und weitere Leistungsnachweise ballen sich oft am Ende eines Semesters. Hinzu kommen Lernphasen, Praxisanteile, studentische Erwerbsarbeit und familiäre Verpflichtungen. Die Folge sind hohe Belastungen, Zeitdruck und Stress.
Die Problematik lässt sich auch fachlich beschreiben. In der Hochschulforschung wird seit Jahren darauf hingewiesen, dass eine hohe Prüfdichte die Studienbelastung erhöhen kann. Wenn in kurzer Zeit viele Prüfungen absolviert werden müssen, bleibt häufig weniger Raum für vertieftes Lernen, Reflexion und eigenständige Auseinandersetzung mit den Inhalten. Statt nachhaltigem Kompetenzerwerb geraten dann oftmals das Bestehen einzelner Prüfungen und kurzfristiges Lernen in den Vordergrund. Für die Qualität eines Studiengangs reicht es deshalb nicht aus, gute Lehrveranstaltungen anzubieten. Ebenso wichtig ist die Frage, ob Umfang, Verteilung und Ausgestaltung der Prüfungen zu den Lernzielen passen und ein Studium innerhalb der vorgesehenen Zeit tatsächlich möglich machen.
Studierbarkeit ist ein Qualitätsmerkmal
Deshalb spielt die Studierbarkeit von Studiengängen heute eine zentrale Rolle in der Qualitätssicherung. Hochschulen müssen nachweisen, dass Arbeitsaufwand und Prüfungsbelastung realistisch geplant sind. Dazu gehört insbesondere die Frage, ob sich die Anforderungen aus Lehrveranstaltungen, Selbstlernzeiten und Prüfungen sinnvoll ergänzen.
Die Akkreditierung von Studiengängen betrachtet dabei nicht nur einzelne Prüfungen, sondern das gesamte Prüfungssystem eines Studiengangs. Entscheidend ist, ob die Prüfungen die angestrebten Kompetenzen angemessen erfassen und ob ihre Anzahl und Verteilung die Studierbarkeit unterstützen.
Fortschritte beim Prüfungskonzept
Ein wichtiger Schritt war die stärkere Verankerung von Prüfungskonzepten im Akkreditierungssystem. Hochschulen müssen heute nachvollziehbar darlegen, wie Prüfungen im Studiengang ausgestaltet sind und wie sie zu den Qualifikationszielen beitragen.
Aus den Vorgaben zur Akkreditierung ergeben sich dabei insbesondere folgende Grundsätze:
- Prüfungen müssen sich an den Qualifikationszielen und den zu erwerbenden Kompetenzen orientieren.
- Das Prüfungssystem ist als Gesamtkonzept zu betrachten und nicht nur auf Ebene einzelner Module.
- Unterschiedliche Prüfungsformen können sinnvoll sein, um verschiedene Kompetenzen abzubilden.
- Die Prüfungsorganisation muss zur Studierbarkeit beitragen und die Arbeitsbelastung der Studierenden berücksichtigen.
- Prüfungen sollen einen erkennbaren Beitrag zum Lernerfolg leisten und dürfen nicht zum Selbstzweck werden.
Diese Anforderungen stärken die Qualität von Studiengängen. Sie schaffen Anreize, Prüfungen gezielter einzusetzen und unnötige Belastungen zu vermeiden.
Gemeinsam für bessere Studienbedingungen
Diese Entwicklungen sind kein Zufall. Gewerkschaften, Studierendenvertretungen und weitere Akteur:innen haben sich über viele Jahre dafür eingesetzt, die Bedingungen im Studium stärker aus Sicht der Lernenden zu betrachten.
>> FAQs des Akkreditierungsrats zum Prüfungskonzept
>> IG Metall, IGBCE und GEW engagieren sich im Akkreditierungsrat