Wer als Helfer:in arbeitet, hat häufig ein höheres Risiko arbeitslos zu werden. Gleichzeitig gibt es in vielen Branchen einen steigenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Die Herausforderung liegt deshalb nicht in fehlender Arbeit, sondern darin, Menschen den Weg zu einem anerkannten Berufsabschluss und zu nachhaltigen beruflichen Perspektiven zu öffnen.
Die Studie der Bertelsmann Stiftung macht deutlich, dass sich viele Helfertätigkeiten durch geringe Entwicklungsmöglichkeiten und unsichere Beschäftigung auszeichnen. Umso wichtiger ist es, berufliche Qualifizierung nicht als individuelles Problem zu betrachten. Qualifizierung ist eine gemeinsame Aufgabe von Betrieben, Politik, Sozialpartnern und Bildungsträgern.
Aus Sicht der IG Metall kommt dabei auch Teilqualifikationen eine wichtiger werdende Rolle zu. Sie können Beschäftigten schrittweise den Weg zu einem Berufsabschluss eröffnen. Gerade für Erwachsene, die keinen anerkannten Abschluss besitzen, bieten sie die Möglichkeit, berufliche Kompetenzen systematisch aufzubauen und einzelne Qualifizierungsbausteine mit dem Ziel eines vollwertigen Berufsabschlusses zu erwerben. Teilqualifikationen dürfen dabei keine Sackgasse sein. Sie müssen auf einen anerkannten Abschluss ausgerichtet sein und echte Aufstiegsperspektiven eröffnen.
Deshalb setzt sich die IG Metall seit Jahren für eine deutlich stärkere Nachqualifizierung von Geringqualifizierten ein. Wer keinen Berufsabschluss hat, braucht einen Rechtsanspruch auf Beratung, Förderung und passende Bildungsangebote. Weiterbildung darf nicht vom Geldbeutel, vom Wohnort oder vom guten Willen einzelner Arbeitgeber abhängen. Ziel muss sein, deutlich mehr Beschäftigten den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses zu ermöglichen.
Eine wichtige Unterstützung können dabei auch die gewerkschaftlichen Weiterbildungsmentor:innen leisten. Sie informieren Beschäftigte über Bildungswege, unterstützen bei der Suche nach passenden Angeboten und helfen dabei, Fördermöglichkeiten zu nutzen. Gerade Menschen, die bislang wenig Erfahrungen mit Weiterbildung haben oder unsicher sind, profitieren von einer persönlichen Begleitung. Weiterbildung wird dadurch greifbarer und erreichbarer.
Gleichzeitig stehen die Arbeitgeber in der Verantwortung. Wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch bereit sein, in die Qualifizierung der eigenen Beschäftigten zu investieren. Das gilt insbesondere für Beschäftigte in Helfertätigkeiten. Betriebe dürfen Weiterbildung nicht auf die ohnehin gut Qualifizierten konzentrieren. Gerade diejenigen, die bisher wenig Zugang zu Weiterbildung hatten, müssen gezielt gefördert werden. Dazu gehören ausreichend Lernzeiten, betriebliche Unterstützung und eine langfristige Personalentwicklung.
Der Wandel der Arbeitswelt wird nur gelingen, wenn niemand zurückgelassen wird. Gute Weiterbildungspolitik bedeutet deshalb, allen Beschäftigten Entwicklungsperspektiven zu eröffnen. Teilqualifikationen, Nachqualifizierung, starke Beratungsangebote und eine klare Verantwortung der Arbeitgeber sind wichtige Bausteine auf dem Weg zu mehr Fachkräften, besseren Arbeitsbedingungen und sicheren beruflichen Zukunftschancen.
>> Download der Bertelsmann-Studie