Inklusion ermöglichen Fachpraktikerausbildung im Betrieb

Fachpraktikerausbildungen eröffnen Menschen mit Behinderung den Zugang zu einem anerkannten Berufsabschluss. Für Betriebe bieten sie die Chance, Fachkräfte zu gewinnen.

Ausbilderin mit Broschüre

6. August 2026 6. August 2026


Viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Gleichzeitig haben Menschen mit Behinderung oft noch zu wenige Chancen auf eine qualifizierte Berufsausbildung. Fachpraktikerausbildungen nach § 66 BBiG / § 42r HwO können hier eine wichtige Brücke schlagen.

Sie richten sich an Menschen, für die eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf aufgrund der Art oder Schwere ihrer Behinderung zunächst nicht infrage kommt. Fachpraktiker:innen erwerben einen anerkannten Berufsabschluss mit Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer. Damit sind diese Ausbildungen keine Hilfstätigkeiten und keine Anlernverhältnisse, sondern vollwertige Berufsausbildungen mit klaren Ausbildungsstandards und einer beruflichen Perspektive.

Betriebe müssen kein Spezialbetrieb sein

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Ausbildung von Menschen mit Behinderung nur in besonderen Einrichtungen möglich ist. Das stimmt nicht.

Ausbilden können grundsätzlich alle geeigneten und anerkannten Ausbildungsbetriebe, wenn die notwendigen Ausbildungsinhalte vermittelt werden können. Die Ausbildungsstätte muss den individuellen Anforderungen der Auszubildenden gerecht werden und ausreichend qualifiziertes Ausbildungspersonal bereitstellen.

Für Ausbilder:innen sind zusätzlich behinderungsspezifische Kenntnisse notwendig. Dafür wurde die rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation, kurz ReZA, geschaffen. Allerdings gibt es praktische Lösungen: Die Anforderungen können teilweise auch durch einschlägige Erfahrungen oder durch die Kooperation mit spezialisierten Bildungsträgern, Berufsbildungswerken oder Integrationsfachdiensten erfüllt werden. Die sogenannte ReZA darf deshalb nicht vorschnell als Hindernis betrachtet werden. Viele Betriebe können die erforderliche Unterstützung gemeinsam mit regionalen Partnern organisieren.

Ein starkes Netzwerk unterstützt die Ausbildung

Betriebe stehen bei der Ausbildung von Fachpraktiker:innen nicht allein da. Unterstützung bieten unter anderem:

Diese Institutionen helfen bei der Suche nach geeigneten Bewerber:innen, beraten während der Ausbildung und unterstützen bei Förderleistungen oder der Beantragung des Reha-Status.

Gerade Betriebsräte können hier eine wichtige Lotsenfunktion übernehmen und dafür sorgen, dass Betriebe vorhandene Unterstützungsangebote kennen und nutzen.

Gute Ausbildung bleibt gute Ausbildung

Die Ausbildung von Fachpraktiker:innen unterscheidet sich methodisch nicht grundsätzlich von anderen Ausbildungen. Bewährte didaktische Prinzipien gelten weiterhin. Ausbildungsaufgaben sollten praxisnah, verständlich und schrittweise aufgebaut sein. Besonders wichtig sind klare Arbeitsaufträge, regelmäßige Rückmeldungen und eine enge Begleitung im Lernprozess.

Bewährt hat sich das Modell der vollständigen Handlung. Dabei planen, entscheiden, bearbeiten, kontrollieren und bewerten die Auszubildenden ihre Aufgaben möglichst selbstständig. So wird berufliche Handlungskompetenz Schritt für Schritt aufgebaut.

Zugleich gilt: Jede Ausbildung muss die individuellen Voraussetzungen der Auszubildenden berücksichtigen. Ausbilder:innen sollten daher die Stärken, Unterstützungsbedarfe und Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Auszubildenden genau kennen.

Individuelle Förderung macht den Unterschied

Ein zentrales Instrument der Fachpraktikerausbildung ist der individuelle Förderplan.

Er beschreibt persönliche Lernziele, notwendige Unterstützungsmaßnahmen und die Entwicklungsschritte während der Ausbildung. Der Förderplan wird regelmäßig überprüft und fortgeschrieben. Für Ausbilder:innen schafft er Transparenz. Für die Auszubildenden bietet er Orientierung und Verlässlichkeit. Und für Betriebsräte kann er ein wichtiges Instrument sein, um die Qualität der Ausbildung im Betrieb zu begleiten.

Flexible Ausbildungsformen nutzen

Nicht jeder Betrieb kann alle Ausbildungsinhalte allein vermitteln. Dafür gibt es bewährte Kooperationsmodelle.

In der Verbundausbildung teilen sich mehrere Betriebe die Ausbildung. Überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen ergänzen betriebliche Lernorte. Darüber hinaus können Betriebe mit Bildungsträgern oder Berufsbildungswerken zusammenarbeiten. Ein besonders interessantes Modell ist die Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken. Dabei lernen junge Menschen mit Behinderung über längere Zeiträume direkt im Betrieb, werden aber weiterhin durch die Fachkräfte des Berufsbildungswerks begleitet. Für Unternehmen bietet das die Möglichkeit, potenzielle Fachkräfte früh kennenzulernen und praktische Erfahrungen mit inklusiver Ausbildung zu sammeln.

Zielgruppe

Fachpraktikerausbildungen richten sich an junge Menschen,
  • die eine anerkannte Berufsausbildung anstreben,

  • die eine Behinderung haben,

  • für die eine Ausbildung in einem regulären Ausbildungsberuf trotz Nachteilsausgleich aktuell nicht möglich ist,

  • bei denen Art oder Schwere der Behinderung eine speziell angepasste Ausbildung erforderlich machen,

  • deren Rehabilitationsbedarf festgestellt wurde.

BBAktuell – BERUFSBILDUNG MIT BEHINDERUNG (02/2025)

BIBB Praxisband Nachteilsausgleich

Handreichung Fachpraktikerberufe

Ausbildungsreport Behindertenwerkstätten 2025

Gruppe junger Modedesigner umringt Näherin im Rollstuhl

Berufsausbildung für Menschen mit Behinderungen Fachpraktiker:innen

Inklusion in der Ausbildung ist mehr als ein pädagogisches Konzept. Sie ist Ausdruck von Solidarität, Gerechtigkeit und Respekt. Jeder Mensch muss das Recht haben, seine Fähigkeiten zu entfalten und sich beruflich zu entwickeln, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Behinderung.

Eine Frau meldet sich während eines Seminars.

Vom Berufsbildungsausschuss erlassen Entstehung von Fachpraktierregleungen

Fachpraktikerregelungen werden von den Berufsbildungsausschüssen der Kammern auf Grundlage von BIBB Empfehlungen beschlossen. Arbeitnehmervertreter:innen gestalten diese Entscheidungen mit und sichern eine möglichst einheitliche Ausbildungsqualität.

Mensch schreibt an einem Laptop

Eine Übersicht des BIBB Erlassene Fachpraktikerrelgeungen

Auf der Seite des Bundesinstituts für Berufsbildung finden sich Informationen zu allen Aus- und Fortbildungsberufen. So auch die Regelungen für die Ausbildung behinderter Menschen.

Gruppe von Jugendlichen in der technischen Berufsausbildung mit Lehrer

Qualifizierung für Inklusion in der Ausbildung Die rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation (ReZA)

Die ReZA unterstützt Ausbilder:innen bei der Ausbildung junger Menschen mit Behinderung. Sie vermittelt Wissen für eine inklusive Ausbildungspraxis und stärkt die Chancen auf mehr Teilhabe im Arbeitsleben.

Jemand streicht mit einem Textmarker etwas auf einem Block an.

Fachpraktiker:innen brauchen wohnortnahe Berufsschulen Beschulung von Fachpraktiker:innen

Für Fachpraktiker:innen ist eine gute Berufsschulversorgung entscheidend. Wohnortnahe Angebote, enge Zusammenarbeit von Betrieb und Berufsschule sowie gemeinsame Lernorte können Ausbildungserfolge fördern und Inklusion stärken.

Aktuelle News
Auszubildender und Meister im Gespräch in einer Schreinerwerkstatt

Wissen für Prüfende Der Nachteilsausgleich für Prüflinge

Prüflinge mit Einschränkungen haben Anspruch auf Nachteilsausgleich: von verlängerten Prüfungszeiten über technische Hilfen bis zu angepassten Aufgabenformaten. Über die passende Form entscheidet der Prüfungsausschuss, individuell und im Einzelfall.

17. Juli 2026

Schwerbehinderung_Mann_Rollstuhl

Berufsausbildung für Menschen mit Behinderungen Fachpraktikerberufe: Wann sie sinnvoll sind und wie sie geregelt sind

Fachpraktiker:innen erhalten einen anerkannten Berufsabschluss, wenn eine reguläre Ausbildung wegen Art und Schwere der Behinderung (noch) nicht möglich ist. Erfahre, wie Fachpraktikerberufe geregelt sind und warum sie für Betriebe interessant sind.

24. Februar 2026

Eine junge Frau im Rollstuhl bei einem Workshop.

Inklusive berufliche Bildung Fachpraktikerausbildung in der Industrie qualitätsgesichert gestalten

Fachpraktikerausbildung eröffnet jungen Menschen mit Behinderung Zugang zu industriellen Berufen. Im OEM Kontext braucht es klare Standards, barrierefreie Lernorte und aktive Betriebsräte.

23. Februar 2026

Eine junge Frau im Rollstuhl bei einem Workshop.

Inklusive berufliche Bildung Fachpraktikerausbildung in der Industrie

Fachpraktikerausbildung eröffnet jungen Menschen mit Behinderung Zugang zu industriellen Berufen. Im OEM Kontext braucht es klare Standards, barrierefreie Lernorte und aktive Betriebsräte.

23. Februar 2026

Kfz-Mechaniker von Grippe erwischt

Ausbildung mit Einschränkung Mit Mut und Unterstützung zum Berufsziel

Cedric macht eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker – trotz Morbus Crohn. Er zeigt, wie Offenheit und Hilfe den Weg ebnen. Niemand muss allein kämpfen.

5. Januar 2026

Gruppe junger Modedesigner umringt Näherin im Rollstuhl

BerufsBildung Aktuell Oktober 2025 Berufsbildung mit Behinderung

Die Oktoberausgabe 2025 von BerufsBildung Aktuell der IG Metall wirft einen Blick auf die Bedarfe zum Thema Berufsbildung von Menschen mit Behinderungen im Betrieb und die Anknüpfungspunkte für die betriebliche Interessensvertretung.

6. Oktober 2025

Auszubildende in einer Metallwerkstatt

Die anonymisierte Bewerbung Chancengleichheit im Bewerbungsprozess - Diskriminierung vorbeugen

Rassismus findet nicht nur dort statt, wo Menschen in der U-Bahn von kahlrasierten Schlägern angepöbelt werden. Auch in vielen Personalbüros werden rassistische Entscheidungen gefällt.

31. März 2015