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Ausbildungsmarkt 2017

Arbeitgeber bilden zu wenig aus

16.02.2018 Ι Erstmals seit sechs Jahren sind 2017 in Deutschland wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Das ist zwar erfreulich, reicht aber nicht. Denn mehr als 80.000 Jugendliche gingen in diesem Jahr in Sachen Ausbildungsplatz leer aus. Und die Zahl der ausbildenden Betriebe sinkt weiter. Einmal jährlich veröffentlicht die IG Metall ihre Bilanz zur gegenwärtigen Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: Der Ausbildungsmarkt steht weiterhin vor großen Herausforderungen.

Viele junge Menschen zeigen Interesse an einer beruflichen Ausbildung. Deutlich mehr als die Hälfte eines Altersjahrgangs sehen sie als interessante Perspektive. Aber: Viel zu wenige der Interessenten erhalten tatsächlich einen Ausbildungsplatz..

Hier die zentralen Ergebnisse der IG Metall-Ausbildungsbilanz 2017:
 

Abgeschlossene Ausbildungsverträge: Erstmals leichter Zuwachs

IT-Berufe wachsen kräftig

Viele Jugendliche gingen trotz Interesse leer aus

Mehr unbesetzte Ausbildungsplätze

Bedeutung des dualen Studiums nimmt weiter zu

Immer weniger Betriebe bilden aus


Die komplette IG Metall Ausbildungsbilanz 2017 mit weiteren Grafiken und Zahlen gibt es hier.
 

Mehr ausbilden - auch im Eigeninteresse der Betriebe

Fest steht: Die Herausforderungen am Ausbildungsmarkt bleiben groß. Viele Ausbildungsplätze wurden nicht besetzt - obwohl gleichzeitig viele Bewerberinnen und Bewerber leer ausgingen. Teilweise lässt sich das zurückführen auf regionale Verwerfungen zwischen Angebot und Nachfrage. Aber spätestens bei der Vielzahl unbesetzter Stellen in bei Jugendlichen beliebten Berufen, wie Fachinformatiker oder Kaufleute für Büromanagement, stößt diese Theorie an Grenzen. Hier gilt es für die Betriebe, ihr Auswahlverhalten auf den Prüfstand zu stellen.


Vielen jungen Menschen ist der Zugang zu guter und qualifizierter Arbeit weiterhin verwehrt - und das wird auch so bleiben, wenn nicht wieder mehr Betriebe bereit sind, sich an der Ausbildung junger Menschen zu beteiligen - insbesondere in Regionen, in denen es an Ausbildungsplätzen fehlt.

Gerade das zu tun, sollte auch Eigeninteresse der Betriebe sein. Denn den Fachkräftemangel einerseits zu beklagen, andererseits aber nicht in deren Ausbildung zu finanzieren, passt nicht zusammen.


Ziel bleibt die Ausbildungsgarantie

Als Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung setzt sich die IG Metall für eine deutliche Verbesserung für alle jungen Menschen ein, die eine Ausbildung suchen.

Deshalb fordert die IG Metall:

  • alle Betriebe müssen für die Fachkräfteausbildung stärker in die Verantwortung genommen werden
     
  • gezielte Ansprache und Beratung von Betrieben in Regionen mit Versorgungsproblemen
     
  • Aufklärung zu bestehenden Fördermöglichkeiten für Jugendliche mit Förderbedarf und für Betriebe, die diese ausbilden (ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), assistierte Ausbildung (AsA), Einstiegsqualifizierung (EQ))
     
  • eine wirksame Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen
     
  • eine Überprüfung und Erweiterung von Instrumenten, die die Mobilität von Jugendlichen fördert (Azubi-Ticket, Azubi-Wohnheime etc.)

 

Betriebsrat: Aktiv werden für mehr Ausbildung

Und auch auf betrieblicher Ebene müssen vorhandene Initiativen gestärkt und neue gestartet werden. Dabei sind die Betriebsräte besonders gefordert. Sie müssen die berufliche Ausbildung zum Thema im Betrieb machen.

Das Betriebsverfassungsgesetz bietet konkrete Informations-, Beratungs- und Mitbestimmungsrechte. Das betriebliche Ausbildungsplatzangebot muss auf den Prüfstand, bei der Auswahl neuer Auszubildender müssen alle Jugendlichen berücksichtigt und gegebenenfalls Fördermöglichkeiten genutzt werden.

 

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Ausbildung

Links und Zusatzinformationen
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Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall zur Ausbildungsbilanz 2017:

Mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge - entspannt sich die Lage am Ausbildungsmarkt?

Von Entspannung kann keine Rede sein. Die leichte Zunahme an Ausbildungsplätzen kann nicht über gravierende Fehlentwicklungen hinweg täuschen: Rund 80.000 Jugendliche haben trotz Suche keinen Ausbildungsplatz bekommen.


Welche Fehlentwicklungen meinst du?

Die Zahl der Ausbildungsbetriebe nimmt stetig ab: Nur noch 20 Prozent der Betriebe bilden aus - das ist historischer Tiefstand. Und die Betriebe in den Branchen der IG Metall, die ausbilden, stellen im Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten immer weniger Azubis ein.
 

Aber es gibt auch noch freie Ausbildungsplätze?

Unversorgte Jugendliche einerseits - nicht besetzte Ausbildungsplätzen anderseits. Die Ursachen für diese sogenannten Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt sind vielfältig. Unattraktive Ausbildungsbedingungen, niedrige Entgelte und wenig Aufstiegschancen sind mitverantwortlich für Besetzungsproblem in manchen Branchen oder Berufsgruppen.
 

Was muss künftig anders werden?

Statt über fehlende Fachkräfte zu jammern, müssen die Unternehmen bei Quantität und Qualität deutlich zulegen: Mehr und bessere Ausbildungsplätze lautet die Aufgabe. Betriebsräte können hier wichtige Impulse geben. Von der Politik erwarten wir darüber hinaus eine wirksame Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen.

 

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