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Kostet mich die Digitalisierung den Arbeitsplatz?

Qualifizierung wird immer wichtiger

16.02.2017 Ι Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit der Frage, ob die Digitalisierung Arbeitsplätze bedroht. Doch was ist von den Prognosen zu halten? Und werden sie in den Medien richtig wiedergegeben? Wir klären auf - und sagen, wo der größte Handlungsbedarf besteht.

Immer wieder beschäftigen sich Wissenschaftler in Studien mit der Frage, wie sich die Digitalisierung auf die Beschäftigung auswirken wird. Nach Veröffentlichung sind in den Zeitungen dann oft Unheil-verheißenden Überschriften zu lesen wie "Die Roboter übernehmen" oder "Der Mensch schafft sich ab". Ist das wirklich so? Sagen die Studien dies aus?

Fakt Eins: Viele Studien untersuchen die Auswirkungen in anderen Ländern. Und so mir nichts dir nichts lassen sich diese Ergebnisse nicht auf Deutschland übertragen.

Fakt Zwei: Viele Studien beschreiben zudem zwei mögliche Szenarien. In den Medien wird dann oft das Negativszenario ausgebreitet - obwohl die Wissenschaftler dieses eher für unwahrscheinlich halten.

Für Klarheit kann ein Blick auf die Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sorgen: In mehreren fundierten Studien hat das Institut die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigung in Deutschland untersucht. Dabei haben die Wissenschaftler das sogenannte Substituierungspotenzial berechnet. Dieses gibt an, in welchem Ausmaß Tätigkeiten gegenwärtig durch den Einsatz von Computern oder Maschinen ersetzt werden könnten. Wichtig: die Tätigkeiten einzelner Berufe, nicht die Berufe selbst. Und: Die Betonung liegt auf "könnten". Das Ergebnis zusammengefasst:


 

Sowohl Helfer- als auch Fachkrafttätigkeiten haben ein großes Substituierbarkeitspotenzial. Selbst bei Beschäftigten mit einem Meistertitel oder einem Studienabschluss ist es noch relativ hoch. Beunruhigend? Die Wissenschaftler weisen auf zwei wichtige Punkte hin.

Erstens: Es sei unwahrscheinlich, dass die Potenziale der Digitalisierung voll ausgeschöpft werden. Beispielsweise würde sich eine teure Automatisierung für viele Unternehmen nicht rechnen.

Zweitens: Es geht nicht darum, dass ganze Berufe überflüssig werden. Nur einzelne Tätigkeiten etwa einer Fachkraft könnten wegfallen beziehungsweise von einer Maschine übernommen werden - im Gegenzug jedoch auch neue Aufgaben entstehen.

Die Wissenschaftler des IAB gehen in ihrem Fazit noch einen Schritt weiter: "Es ist sogar denkbar, dass die Digitalisierung statt zu einem Beschäftigungsabbau zu einem Beschäftigungsaufbau führt." Denn die computergesteuerten Maschinen müssen entwickelt und gebaut werden. Es werden Fachkräfte gebraucht, um die Maschinen zu steuern, zu kontrollieren und zu warten.
 

Qualifizierung durch Digitalisierung noch wichtiger

Das führt zu einer Erkenntnis, die auch andere Wissenschaftler in ihren Untersuchungen betonen: Der Qualifizierung der Beschäftigten kommt in Zukunft eine noch größere Bedeutung zu. Denn auch wenn fast alle Berufe erhalten bleiben, so werden sich doch viele einzelne Tätigkeiten ändern beziehungsweise manche Tätigkeiten neu entstehen. Und dafür müssen die Mitarbeiter fit gemacht werden.

Im IAB-Bericht heißt es: "Vor diesem Hintergrund wird eine der größten Herausforderungen sein, Wissen und Können auf dem neusten technologischen Stand zu halten. Deswegen kommt gerade der (Weiter-) Bildung zukünftig eine ganz besondere Bedeutung zu." Auch an den Schulen und in den Ausbildungen müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, die Digitalisierung zu meistern.

Geschieht dies, und gehen die Unternehmen die Digitalisierung konsequent an, indem sie beispielsweise neue Geschäftsfelder erschließen, kann die Zahl der Arbeitsplätze sogar steigen. Kurz: Zögern schadet - die Zukunft mutig anzugehen ist angesagt. Natürlich - das darf nicht außer Acht gelassen werden -, natürlich kommt es nicht nur auf die Anzahl der Arbeitsplätze an, sondern auch auf die Qualität: auf "gute Arbeit".

Für all dies setzen sich IG Metall und Betriebsräte gemeinsam mit den Beschäftigten ein: in der Politik, an Hochschulen - und natürlich in den Unternehmen. Beispielsweise haben wir die Bildungsteilzeit per Tarifvertrag erkämpft. Wenn Du Fragen hast, was Deine eigene Tätigkeit oder Deinen Betrieb angeht: Sprich Deinen Betriebsrat an oder nimm Kontakt zu Deiner IG Metall vor Ort auf.

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