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DGB Ausbildungsreport 2019

Duale Berufsausbildung muss für die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt fit gemacht werden

07.11.2019 Ι Der DGB-Ausbildungsreport hat inzwischen eine lange Tradition und ist eine anerkannte und beachtete Untersuchung zur Situation der dualen Berufsausbildung in Deutschland. Der aktuelle Report widmet sich dem Schwerpunkt Ausbildung 4.0 und hat einen großen Handlungsbedarf festgestellt. "Für Auszubildende ist das Thema Digitalisierung im Beruf sehr wichtig, nur es ist bisher nicht angekommen. Nur knapp über die Hälfte der Befragten sagt, dass sie gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert werden. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch", so Manuela Conte zu den Ergebnissen 2019.

<<Ulrich Degen im Gespräch mit DGB Bundesjugendsekretärin Manuela Conte>>

 

Der Ausbildungsreport 2019 des DGB widmet sich dem Schwerpunkt ,Ausbildung 4.0'. Dabei, das sei hier gleich gesagt, geht es bei Ausbildung 4.0 um mehr als den technologischen Wandel und die Digitalisierung in der Arbeits- und Ausbildungswelt, sondern auch um die Bildungsgerechtigkeit. Was waren die Hauptgründe für die Auswahl dieses Schwerpunkts?

 

Manuela Conte: Digitalisierung, Transformation, Industrie 4.0., es passiert gerade eine Menge in den Betrieben und Verwaltungen. Tätigkeiten wandeln sich, neue Qualifikationen und Kompetenzen werden von den Beschäftigten verlangt. Hier muss die Berufsausbildung Schritt halten und auch weiterhin ein gutes Fundament für den Eintritt in die Arbeitswelt legen. Für uns als DGB-Jugend ist klar: Eine Arbeitswelt 4.0 braucht auch eine Ausbildung 4.0. Wir beteiligen uns deshalb nicht erst seit gestern an dem Gestaltungsprozess und bringen unsere Forderungen immer wieder ein. Aus unserer Sicht muss sichergestellt werden, dass eine Berufsausbildung für die digitale Arbeitswelt qualifiziert, moderne Lehr- und Lernmethoden anwendet und hochwertige Ausbildungsbedingungen bietet. Und das in allen Branchen.

 

Da stellt sich natürlich die Frage, wie es in der Realität tatsächlich aussieht und wo es Nachholbedarf gibt. Deshalb haben wir die Auszubildenden im diesjährigen Ausbildungsreport gefragt, ob die Digitalisierung in ihrer Ausbildung schon angekommen ist und wie sie ihre Situation einschätzen. Um es an dieser Stelle schon mal vorweg zu nehmen: Es ist noch viel Luft nach oben.

 

Zur Einordnung dieses Schwerpunkts in die bisherigen jährlichen Ausbildungsreports wäre es interessant zu erfahren, welche Schwerpunkte bisher behandelt wurden. Die bislang behandelten Schwerpunkte geben dabei mit Sicherheit auch einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungslinien der Berufsbildung in den letzten Jahren.

 

Den Ausbildungsreport der DGB-Jugend gibt es bereits seit 2006. Uns ist es gelungen, auf Grundlage einer validen Datenbasis den Ausbildungsreport zu einer viel gefragten und verlässlichen Studie der deutschen Ausbildungslandschaft zu entwickeln und damit auch die öffentlichen Debatten zu beeinflussen. Mit der Wahl der Schwerpunkte haben wir das Blickfeld jährlich erweitert um auf bestimmte Problemfelder in der dualen Ausbildung konkret aufmerksam zu machen. Letztes Jahr haben wir unser Augenmerk auf die Arbeitszeit in der Ausbildung gelegt. Aber auch die Lernbedingungen an den Berufsschulen, psychische Belastung in der Ausbildung, das Betriebsklima, Perspektiven nach der Ausbildung und die Finanz-, Wohn- und Lebenssituation von Auszubildenden wurden von uns schon intensiv beleuchtet.

 

Dabei ist rausgekommen, dass ständige Erreichbarkeit und unregelmäßige Schichtarbeit für viele Auszubildende leider alltäglich ist. Etwa die Hälfte der Auszubildenden fühlt sich durch Arbeitsanforderungen oder schlechte Arbeitsbedingungen stark belastet. Die jungen Menschen berichten uns über einen hohen Leistungs- und Zeitdruck. Auch unsichere Perspektiven tragen ihren Teil dazu bei. Für viele Auszubildende folgt auf die bestandene Abschlussprüfung leider nicht der sichere Einstieg ins Berufsleben, sondern die große Unsicherheit. Eine Übernahme im gleichen Betrieb ist lange ungewiss, die Zukunftssorgen entsprechend groß. Auch der finanzielle Druck ist hoch: Nur die Hälfte der Auszubildenden, so die Ergebnisse aus dem 2014er Ausbildungsreport, kann einzig und allein von der Ausbildungsvergütung leben. Zwei Mal haben wir uns bereits auch schon den Lernbedingungen an den Berufsschulen gewidmet, die leider großen Handlungsbedarf zeigen. Der Mangel an Personal einerseits sowie das Fehlen moderner Unterrichtsmaterialien oder technischen Gerätschaften andererseits führt dazu, dass gerade mal die Hälfte der Auszubildenden mit der Qualität der Berufsschule zufrieden sind. Erhebliche Abstimmungsprobleme und fehlende Kooperation zwischen Betrieb und Berufsschule tun ihr übriges.

 

Bei allen Ergebnissen gibt es allerdings deutliche Branchenunterschiede. Grundsätzlich können wir feststellen, dass es immer wieder die gleichen Branchen und Berufe sind, in denen es besonders schlecht läuft. Hierzu zählen Teile des Handwerks, verschiedene Dienstleistungsberufe und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Leider hat es da über die Jahre kaum positive Entwicklung gegeben.

 

Was die Methode der Befragung angeht, so wurden im Zeitraum vom September 2018 bis April 2019 insgesamt 16.181 Auszubildende für den diesjährigen Ausbildungsreport mit einem Fragebogen überwiegend im Rahmen der sogenannten Berufsschultouren befragt. Was hat es mit den Berufsschultouren auf sich?

 

Die DGB-Jugend hat mit dem Ausbildungsreport die bundesweit größte Studie zur Ausbildungssituation in Deutschland. Das wichtigste ist aber: Wir reden nicht über Auszubildende, sondern mit ihnen. Und zwar dort, wo sie sind. Mit der Berufsschultour ist die DGB-Jugend bundesweit in den Berufsschulen, dem zweiten Lernort der Berufsausbildung, unterwegs. Jedes Jahr besuchen wir tausende Schülerinnen und Schüler im Unterricht. Wir wollen Auszubildende stärken und ihnen Mut machen, Mut zur Teilhabe. Sie sollen die eigenen Rechte kennen, wissen, was Tarifverträge und Gewerkschaften sind, verstehen, wie Wirtschaft und Gesellschaft funktioniert. In den Klassen haben viele vorher noch nie etwas von Interessenvertretung gehört und wissen oft nicht, was Gewerkschaften eigentlich machen. Das wollen wir mit den Berufsschultouren ändern und die Jugendlichen für uns gewinnen.

 

Um sich ein Bild über die Gesamtbewertung des diesjährigen Ausbildungsreports machen zu können, wäre wichtig, zu wissen, welche Hauptbewertungskriterien und jeweils welche Indikatoren herangezogen wurden, bzw. bei der Analyse zum Tragen kamen?

 

Wir werten die Meinung der Auszubildenden aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 meistfrequentierten Ausbildungsberufen aus. Uns ist es wichtig, die Ausbildungsqualität aus Sicht der Auszubildenden selbst gut abbilden zu können, denn sie sind die Expertinnen und Experten für ihre eigene Situation. In die Gesamtbewertung fließen deshalb die vier zentralen Aspekte "Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb", "Ausbildungszeiten und Überstunden", "Ausbildungsvergütung" sowie "Persönliche Beurteilung der Ausbildung" ein. Für die Bewertung der fachlichen Qualität im Betrieb fragen wir beispielsweise danach, ob ein betrieblicher Ausbildungsplan vorhanden ist oder wie oft ausbildungsfremde Tätigkeiten gemacht werden müssen. Für das Kriterium Ausbildungszeiten sind die Häufigkeit und die Anzahl der Überstunden relevant. Aus den Antworten werden dann Rangfolgen nach Ausbildungsberufen gebildet. Am Ende wird eine Gesamtrangliste für alle Kriterien gebildet. Alle Kriterien gehen dabei mit der gleichen Gewichtung in das Ranking ein. Letztlich wird somit ersichtlich, in welchen Ausbildungsberufen und Branchen junge Menschen eine gute Ausbildung erhalten und in welchen Mängel bestehen. Die Methodik ist auf die letzten Seiten vom Ausbildungsreport nochmal genau beschrieben.

 

Kommen wir zum Schwerpunktthema des diesjährigen Ausbildungsreports, der ,Ausbildung 4.0' zurück. Die überwiegende Mehrzahl der Befragten sind zu fast 80 Prozent der Auffassung, dass die Aspekte der Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung von zentraler Bedeutung sind. Da wäre es doch interessant, zu erfahren, ob diesem Interesse in der Qualifizierung während der Berufsausbildung auch Rechnung getragen und nachgekommen wird?

 

Ja, die große Mehrheit Auszubildenden hat klar formuliert, dass das Thema Digitalisierung für ihren Beruf wichtig ist. Nur ist das in den Betrieben noch nicht angekommen. Nur knapp über die Hälfte der Befragten sagt, dass sie gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert werden. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch. Während im ersten Ausbildungsjahr noch gut 59 Prozent sagen, dass sie gezielt für digitale Anwendungen qualifiziert werden, sind es im dritten Jahr nur noch 46 Prozent.

 

Dass die Einschätzung der Auszubildenden so dürftig ausfällt, liegt sicher auch an der schlechten Infrastruktur an vielen Berufsschulen. Nur ein Drittel (34,9%) der Auszubildenden beurteilt die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als sehr gut oder gut. Ebenfalls ein Drittel (32,7%) sieht sich durch den Berufsschulunterricht nur ausreichend oder mangelhaft auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet.

 

Da haben Berufsschulen und Betriebe gleichermaßen in Sachen Ausbildung 4.0 noch einiges nachzuholen. Das zeigen auch knapp 30 Prozent der Befragten, die sich insgesamt durch die Ausbildung nicht ausreichend auf die Digitalisierung in der Arbeitswelt vorbereitet sehen. Dabei sehen sich die Auszubildenden kleineren Betrieben schlechter vorbereitet als ihre Kolleg_innen in Großunternehmen. Während in Betrieben mit 5 bis 10 Beschäftigten über ein Drittel (35,0%) der Auszubildenden ihre Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt pessimistisch betrachten, sind es in Großbetrieben ab 500 Beschäftigten nur ca. 20 Prozent die das so einschätzen.

 

Offenbar haben die Befragten mit ihrem Urteil über Vorbereitung an der Berufsschule und deren Ausstattung für den Umgang im Beruf mit digitalen Instrumenten und Technologien einen wunden Punkt angesprochen, wenn sie zum einen die digitale Ausstattung der Berufsschule ebenso beklagen, wie den Umgang mit digitalen Medien und Technologien. Woran hapert es hier besonders?

 

Es fehlt vielfach an moderner Ausstattung. Oft gibt es nicht mal W-LAN. Die Computer sind veraltet, die verwendete Software nicht auf dem neusten Stand. Zudem mangelt es an ausreichend Lehrkräften, die Folge sind Stundenausfälle. Digitales Lernen findet ebenfalls kaum statt. Oft genug müssten auch erstmal die maroden Gebäude saniert werden. Eine Anti-Schimmel App gibt es nämlich leider noch nicht. Wir brauchen dringend Investitionen in die Sanierung und die Ausstattung der Berufsschulen.

 

Aber selbst wenn Technik und Infrastruktur überall auf dem neuesten Stand wären, braucht es erstmal genügend qualifiziertes Fachpersonal, um guten Unterricht durchführen zu können. Da liegt ein weiteres großes Problem. Es fehlt an Lehrkräften, und die Aufgaben werden auf immer weniger Schultern verteilt. Der Einsatz digitaler Medien und Technologien im Unterricht ist zum Teil mit erheblichen technischen und zeitlichen Belastungen verbunden. Es gibt Ausstattungs- und Wartungsprobleme. Auch muss sich in neue Unterrichtstechnologien wie Tablets, Lernplattformen oder Whiteboards erstmal eingearbeitet werden. Digitalen Bildungsmedien müssen zunächst erschlossen werden, bevor sie zielgerichtet und methodisch sinnvoll angewendet werden können. All das braucht Zeit und Personal.

 

Aus diesen Gründen ist eine erhebliche Verbesserung der personellen Ausstattung an beruflichen Schulen notwendig, um die Beschäftigten zu entlasten und eine Arbeitsteilung zu ermöglichen.

 

Ganz offenbar hat die Digitalisierung in den untersuchten Ausbildungsberufen eine unterschiedliche Bedeutung und einen unterschiedlichen Stellenwert. Und in den untersuchten Berufen gibt es außerdem nach der Analyse unterschiedlich intensive Vorbereitungen auf die zukünftige Arbeitswelt sowie bei der gezielten Qualifizierung für die Nutzung digitaler Technologien. Wo bündeln sich positive oder negative Entwicklungen besonders?

 

In den verschiedenen Betrieben und Branchen geht die technische Entwicklung mit unterschiedlicher Intensität und Geschwindigkeit voran. Das spiegelt sich auch bei den untersuchten Ausbildungsberufen wieder. Da gibt es zwischen den Berufen zum Teil deutliche Unterschiede hinsichtlich der Bedeutung von Digitalisierung und Automatisierung. Während beispielsweise die angehenden Fachinformatiker_innen, Bankkaufleute und Steuerfachangestellten zu mehr als 90 Prozent Aspekte der Digitalisierung und Automatisierung als wichtig oder sogar sehr wichtig einschätzen, ist von den Köchinnen und Köchen sowie den Maler_innen und Lackierer_innen nur etwa jede_r Zweite dieser Ansicht. Ganz ähnlich trifft das auch auf die Frage nach der Qualifizierung für die Nutzung digitaler Technologien zu. Da liegen ebenfalls die Fachinformatiker_innen, Steuerfachangestellten und Bankkaufleute vorn. Die letzten Plätze belegen Friseur_innen, Köch_innen und Maler_innen und Lackierer_innen.

 

Bei zahlreichen Berufen ist dabei die Diskrepanz zwischen der Bedeutung, die die Auszubildenden der Digitalisierung beimessen, und der tatsächlichen Qualifizierung in der Ausbildung besonders stark ausgeprägt. Das trifft besonders auf die Zahnmedizinischen Fachangestellten, die Verkäufer_innen und die Elektroniker_innen für Betriebstechnik zu. Sie finden Digitalisierung in ihrem Beruf wichtig, werden aber nicht entsprechend ausgebildet.

 

Aus unserer Sicht ist es jetzt notwendig, auch wenn die technische Entwicklung in den verschiedenen Branchen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit vonstattengeht, neue Anforderungen an Ausbildungsinhalte in der gesamten dualen Berufsausbildung zu stellen. Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen: Sie müssen gerüstet sein für neue Techniken, sich wandelnde Tätigkeitsprofile und permanente Veränderung. Vor allem braucht es die Fähigkeit, die neue Arbeitswelt zu verstehen und damit auch gestalten zu können. Diese zusätzlichen Kompetenzen werden in allen Ausbildungsberufen gebraucht.

 

Im Vergleich zu den bisherigen Ausbildungsreports sind die wichtigsten Ausbildungsfaktoren, die dann über die Ausbildungsqualität bestimmen, wie Betriebsgröße, Überstunden, Jugendarbeitsschutz, Ausbildungszufriedenheit oder fachliche Anleitung, Übernahme nach der Ausbildung u.a. im Großen und Ganzen ähnlich geblieben, dennoch gibt es aber in 2019 besondere Entwicklungen, die man hervorheben kann. Welche sollten besonders genannt werden?

 

Was an den Zahlen in diesem Jahr besonders negativ auffällt ist, dass die Zufriedenheit der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung erneut gesunken ist und nun erstmals unter 70 Prozent liegt. Insgesamt waren 69,9 Prozent der befragten Auszubildenden mit ihrer Ausbildung »sehr zufrieden« oder »zufrieden«. Grundsätzlich sehen wir das immer noch als einen guten Wert, aber die Tendenz "sinkend" beobachten wir schon länger. Vor zehn Jahren lag die Zufriedenheit mit der Ausbildung noch bei 75,5 Prozent. Die Ursachen für diese Entwicklung kann man im Ausbildungsreport finden. Zu viele Überstunden, Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Berufsbildungsgesetz und schlechte Ausbildungsqualität.

 

Wenn man die Zahlen anschaut, dann spielt das Gesetz für so manche Arbeitgeber offensichtlich keine Rolle. Obwohl es Auszubildenden unter 18 Jahren verboten ist, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, muss dies fast jeder achte Jugendliche in dem Alter trotzdem tun. 11,9 Prozent der Befragten haben uns dies bestätigt. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Anteil sogar wieder leicht gestiegen, 2018 lag er noch bei 10%.

 

Auch die Ausbildungsqualität hinkt hinterher. Zum Beispiel ist der Anteil derer, die "häufig" oder "immer" ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen müssen, ist in den letzten Jahren wieder gestiegen und liegt nun bei 12,2 Prozent.

 

Die Befunde im Ausbildungsreport 2019 ergänzen die bisherigen Ausbildungsreportergebnisse und geben über die Zeit eine Zusammenschau der Entwicklung der Berufsbildung in Deutschland. Und sie sind Basis für Forderungen der Gewerkschaftsjugend. Welches sind die Hauptforderungen, die sich aus der aktuellen Analyse des Ausbildungsreports 2019 ableiten?

 

Die Zahlen aus dem Ausbildungsreport zeigen immer wieder, dass es noch viel Nachholbedarf gibt und dass die Bedingungen in den Branchen zum Teil sehr unterschiedlich sind. Wir wollen eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen für alle Menschen in Ausbildung zu erreichen. Für uns ist wichtig, dass sich endlich an den Rahmenbedingungen der dualen Berufsausbildung etwas ändert. Die gesetzliche Grundlage, das Berufsbildungsgesetz, ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden. Unser Ziel war es, dieses Gesetz fit zu machen für die Zukunft. Deshalb haben wir lange und unnachgiebig für eine Novelle des Berufsbildungsgesetzes gekämpft. Und der Druck hat sich gelohnt. Am 24. Oktober hat der Bundestag endlich ein neues BBiG beschlossen. Viele unserer Forderungen, für die die Gewerkschaftsjugend lange gestritten hat, wurden umgesetzt. Mindestausbildungsvergütung, gesicherte Anrechnung der Berufsschulzeit unabhängig vom Alter, Freistellung zur Prüfungsvorbereitung, verbesserte Lernmittelfreiheit. Zudem wurde ein gemeinsamer Prozess von Bund, Ländern und Sozialpartnern aufgesetzt, um das Thema der Qualitätssicherung in den Praxisphasen des dualen Studiums voran zu bringen. Aber es gibt dennoch weiterhin Handlungsbedarf. Die Gewerkschaftsjugend wird nicht lockerlassen und weiter in den Betrieben, in Tarifauseinandersetzungen und in der Politik für Verbesserungen in der Ausbildung und im dualen Studium kämpfen.

 

Mit Blick auf Ausbildung 4.0 und Digitalisierung gibt es noch einiges zu tun. Die Ausbildungsinhalte müssen in allen Berufen modernisiert werden - IT-Kompetenzen, der Umgang mit neuster Software und modernen Medien und vor allem Team- und Prozesskompetenz müssen fester Bestandteil jeder Ausbildung werden. Zweitens ist es elementar, dass die beruflichen Schulen schnellstens besser ausgestattet werden. Dazu gehört die digitale Ausstattung, ausreichend Lehr- und technisches Fachpersonal und eine gute Breitbandanbindung.

 

Schlechte Ausbildungsqualität ist ein fatales Signal für die duale Berufsausbildung und schafft obendrein noch ein schlechtes Image.

 

 

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Wer ist Manuela Conte?
Conte

Manuela Conte ist seit April 2017 Bundesjugendsekretärin des DGB. Sie engagierte sich bereits zu Beginn ihrer Ausbildung ehrenamtlich in der Gewerkschaftsjugend. Nach einem gesellschaftspolitischen Studium absolvierte sie ein Trainee-programm bei der IG Metall, danach war sie Jugendsekretärin in NRW und beim IG Metall-Vorstand für die strategischen Schwerpunkte der Jugendarbeit verantwortlich.

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Themenschwerpunkte der bisherigen DGB-Ausbildungsreports:

2018: Arbeitszeit in der Ausbildung

2017: Qualität der Berufsschule

2016: Psychische Belastungen in der Ausbildung

2015: Die letzten 10 Jahre

2014: Allgemeine Lebenssituation der Auszubildenden

2013: Perspektiven nach der Ausbildung

2012: Lernbedingungen an den Berufsschulen

2011: Betriebsklima und Behandlung durch Vorgesetzte und Kolleg_innen

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