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Berufsbildung4.0

IAB Studie

Folgen der Digitalisierung für die Beschäftigten

11.03.2019 Ι Wie sich neue Technologien auf die Beschäftigten einer Branche auswirken, kann man von der Metallindustrie lernen. Hier revolutionierte die CNC-Technik vor 30 Jahren die Arbeitswelt. Welche Auswirkung dies auf die Kolleginnen und Kollegen hatte, die noch an "alten" Technologien ausgebildet wurden, hat das IAB analysiert.

In einer Langzeitstudie verglichen die Wissenschaftler/innen die Karrierewege von Facharbeiter/innen die bereits an CNC-Maschinen ausgebildet wurden, mit denen, die noch vor dieser technischen Revolution ihren Beruf erlernt haben.

 

Das Institut fu?r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur fu?r Arbeit (kurz: IAB) kommt dabei zu folgenden Erkenntnissen:

  • "Unter den Facharbeitern, die noch an den alten Maschinen ausgebildet wurden, stieg durch die Konkurrenz der technologisch besser ausgebildeten Kollegen die Wahrscheinlichkeit, den Ausbildungsberuf zu verlassen, um 10 Prozent.
  • Ein überproportional hoher Anteil wechselte in andere Sektoren, insbesondere in den Dienstleistungsbereich.
  • Besonders bemerkenswert: Der Anteil derjenigen, die sich zum Meister oder Techniker fortbildeten, sank durch die Änderung des Ausbildungscurriculums dramatisch.
  • Die Auswirkungen auf das Arbeitslosigkeitsrisiko der Betroffenen sind vergleichsweise gering: Es hat langfristig gesehen durch die technologische Umwälzung nicht zugenommen. Die Dauer der Arbeitslosigkeit stieg nach der Ausbildungsreform allenfalls leicht und nur vorübergehend an.
  • Facharbeiter, die an den manuellen Maschinen ausgebildet wurden, verzeichnen aufgrund dieser Faktoren im Durchschnitt Einkommensverluste.  Diese summieren sich auf circa 90 Prozent eines Jahresgehaltes über eine Periode von 25 Jahren - sind also insgesamt noch relativ moderat.
  • Demgegenüber haben Lehrlinge, die an der CNC-Maschine ausgebildet wurden, im Vergleich zur Kontrollgruppe später keine Lohnverluste und kein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko zu tragen. Auch verbleiben sie langfristig eher in ihrem Beruf als Facharbeiter ohne CNC-Ausbildung."

(Quelle: Janssen, Simon (2019): Entwerten neue Technologien bisheriges Berufswissen?)

 

Die Ergebnisse des IABs zeigen auf, dass technologische Transformationen nicht zwingend dazu führen, dass Facharbeiter/innen deren Ausbildung bereits ein paar Jahre zurückliegen, vermehrt arbeitslos werden. Allerdings besteht das Risiko, dass es Auswirkungen auf die Einkommen und die Karrierechancen gibt. Eine kontinuierliche Weiterbildung wird daher zukünftig noch wichtiger werden.

 

Die IG Metall hat diesen Sachverhalt bei der Reform der M+E Berufe bereits bedacht und mit Blick auf Themen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 sieben neue Zusatzqualifikationen (ZQs) für die Ausbildung entwickelt. Dabei geht es fachlich um Bereiche wie Systemintegration, digitale Vernetzung, additive Fertigung, Prozessintegration, IT-gestützte Anlagenänderung, Programmierung und IT-Sicherheit. Für die Vermittlung dieser optionalen ZQs sind jeweils acht Wochen vorgesehen.

 

Der Clou: Die Zusatzqualifikationen sind auch für die betriebliche Weiterbildung der vorhandenen Fachkräfte anwendbar. Betriebsräte können diesen Aspekt im Rahmen ihrer Mitbestimmung aufgreifen.

 

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